Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 230 – Mütter für Skanda

Markandeya sagte:
Die sechs verbannten Gemahlinnen der himmlischen Rishis erfuhren bald, wie sehr das gute Schicksal über Skanda lächelte und daß er zum Führer der göttlichen Armeen ernannt worden war. So eilten die tugendhaften Damen mit dem großen religiösen Verdienst zu Skanda und baten ihn:
Wir wurden ohne Grund von unseren göttergleichen Ehemännern hinausgeworfen, oh Sohn. Es kursierten Gerüchte, daß wir dich geboren hätten, die unsere Ehemänner glaubten. Voller Empörung verbannten sie uns von unseren geheiligten Plätzen. Es ziemt sich nun für dich, uns vor dieser Niedertracht zu beschützen. Wir möchten dich als unseren Sohn adoptieren, so daß uns ewiger Ruhm sicher sei, oh mächtiges Wesen, und zwar durch deine Gunst. So kannst du deine Schuld an uns vergelten.

Skanda erwiderte:
Oh makellose Damen, ihr sollt meine Mütter werden. Ich bin euer Sohn, und ihr werdet alles erlangen, was ihr begehrt.

Danach erbat sich Indra eine Frage zu äußern. Skanda erkundigte sich, was es sei, und Indra sprach mit seiner Erlaubnis frei heraus:
Die Dame Abhijit, die jüngere Schwester von Rohini, war auf ihre ältere Schwester eifersüchtig und ging in den Wald, um Askese zu üben. Ich konnte bisher keinen Ersatz für diesen gefallenen Stern finden. Mögest du Gutes tun und dich mit Brahma wegen dieser Sterngruppe beraten. All die anderen Sterngruppen wie Danishtha wurden von Brahma geschaffen, und Rohini diente einst auch diesem Zweck, als ihre Zahl noch vollkommen war.

So wurde gemäß Indras Rat Krittika (Skanda) ein Platz im Himmel angewiesen, wo der von Agni angeführte Stern wie mit sieben Köpfen strahlt (die Plejaden, das Siebengestirn).

Auch Vinata kam und sprach zu Skanda:
Du bist wie ein Sohn für mich, und ich gestatte dir, für mich den Kuchen für die Begräbnisriten zu opfern. Ich möchte immer mit dir leben, mein Sohn.

Skanda stimmte zu:
So sei es, alle Ehren sind dein. Führe mich mit mütterlicher Zuneigung, und von deiner Schwiegertochter geehrt, sollst du immer bei mir leben.

Dann sprachen die großen Mütter zu Skanda:
Wir wurden von den Gelehrten als die Mütter aller Kreaturen beschrieben. So möchten wir auch deine Mütter sein. Ehre uns!

Skanda sprach:
Ihr seid alle Mütter zu mir, und ich bin euer Sohn. Sagt mir, wie ich euch zufriedenstellen kann.

Die Mütter:
Die Damen (Brahmi, Maheshvari usw.) wurden vor langer, langer Zeit als Mütter der Welten bestimmt. Wir möchten, oh großer Gott, daß ihnen diese Würde aberkannt wird, und wir ihren Platz übernehmen und in allen Welten an ihrer statt geehrt werden. Gib uns heute unsere Nachkommen wieder, die uns von ihnen weggenommen wurden.

Skanda antwortete ihnen:
Ihr werdet nicht zurückbekommen, was einst weggegeben wurde. Doch ich kann euch andere Nachkommen geben, wenn ihr möchtet.

Die Mütter meinten daraufhin:
Dann möchten wir an deiner Seite leben, unsere Gestalten ändern und fähig sein, all die Kinder dieser Mütter und ihre Beschützer verzehren zu können. Gewähre uns diese Gnade.

Skanda erwiderte:
Ich kann euch Nachkommen gewähren, doch was ihr eben ausgesprochen habt, ist eine sehr leidvolle Sache. Möget ihr zum Guten gedeihen! Alle Ehre sei euch, ihr Damen, und so gewährt ihnen auch eure schützende Sorge.

Die Mütter:
Oh Skanda, wenn du es wünschst, werden wir sie auch beschützen. Mögest du ebenfalls gedeihen! Oh mächtiges Wesen, wir möchten immer mit dir leben.

Skanda:
Solange die Kinder der Menschen noch nicht sechzehn Jahre alt sind, werdet ihr sie in verschiedensten Gestalten heimsuchen. Dafür übergebe ich euch einen furchterregenden, unerschöpflichen Geist. Mit ihm sollt ihr unbeschwert leben und von allen gehrt sein.

Geister, die auf Kinder wirken

Da erhob sich aus Skandas Körper ein mächtiges Wesen, welches die Aufgabe hatte, die Nachkommen der Sterblichen zu verschlingen. Es fiel auf den Boden und war ohne Sinne und hungrig. Auf Bitten Skandas nahm dieser böse Geist außergewöhnliche Gestalten an. Brahmanen kennen ihn unter dem Namen Skandapasmara. Vinata nannte den Phantastischen Sakuni Graha (Geist des Bösen). Und die Rakshasi, die von den Gelehrten Putana genannt wird, ist die Graha namens Putana. Diese abscheulich aussehende und grimmige Rakshasi wird auch Pisachi Sita Putana genannt, und ist die Ursache für Fehlgeburten bei Frauen. So ist auch Aditi unter dem Namen Revati bekannt, ihr böser Geist heißt Raivata, und als furchtbare Graha peinigt sie die Kinder. Diti, die Mutter der Daityas (Asuras), wird auch Mukhamandika genannt, und ihr konträrer Geist liebt das Fleisch sehr kleiner Kinder. Und die schon erwähnten Knaben und Mädchen, die als Nachkommen von Skanda gelten, sind ebenfalls üble Geister, welche den Fötus im Mutterleib vernichten. Sie (die Knaben, Kumaras) sind wie Ehemänner der Damen, und ihre Kinder werden von diesen grausamen Geistern ganz unerwartet ergriffen. Selbst Surabhi, welche von den Weisen die Mütter aller Kühe genannt wird, wird vom bösen Geist Sakuni geritten und verschlingt mit ihm zusammen die Kinder der Erde. Sarama, die Mutter der Hunde, tötet menschliche Wesen noch im Mutterleib. Die Mutter aller Bäume hat ihren Sitz im Karanja Baum. Sie gewährt Segen, hat ein gelassenes Antlitz, und ist allen Kreaturen milde gesinnt. Wer sich Kinder wünscht, verbeugt sich vor ihr im Karanja Baum. Es gibt auch achtzehn üble Geister, die Wein und Fleisch mögen und zusammen mit anderen Geistern ähnlicher Natur sich für zehn Tage im Wochenbett einrichten. Kadru tritt in subtiler Form in den Körper einer Schwangeren ein, vernichtet den Fötus, und die Mutter bringt eine Naga zur Welt. Die Mutter der Gandharvas stiehlt den Fötus und macht die Empfängnis der Frau mit einer Fehlgeburt zunichte. Die Mutter der Apsaras stoppt den Fötus im Mutterleib, so daß die Gelehrten von einer angehaltenen Empfängnis sprechen. Die Tochter des Blutigen Meeres, die Skanda stillte, wird auch unter dem Namen Lohitayani und vor allem auf Kadamba Bäumen geehrt. Arya wirkt auf Frauen ebenso wie Rudra auf Männer. Sie ist die Mutter aller Kinder und wird immer als Wohltäterin geehrt. Dies sind die bösen Geister, die über das Schicksal von jungen Kindern herrschen, bis sie das Alter von sechzehn Jahren erreicht haben. Erst üben sie ihren Einfluß zum Bösen und dann zum Guten aus. Die ganze Schar der männlichen und weiblichen Geister, die ich eben beschrieben habe, wird von den Menschen immer als die Geister Skandas bezeichnet. Sie werden mit Opfergaben im Feuer, Waschungen, Salben und ganz besonders mit der Verehrung von Skanda besänftigt. Werden sie geehrt und geachtet, überbringen sie den Menschen Gutes, wie Tapferkeit und langes Leben. Und nun, nachdem ich mich vor Maheshvara verbeugt habe, werde ich dir die Natur jener Geister beschreiben, welche die Menschen nach ihrem sechzehnten Lebensjahr beeinflussen.

Geister, die auf Erwachsene wirken

Hat ein Mensch im Schlaf oder Wachsein die Himmlischen geschaut und wird bald darauf verrückt, dann werden die Geister, unter dessen Einfluß die Halluzinationen stattfinden, die himmlischen Geister genannt. Erblickt ein Mensch beim Ruhen auf einem Sessel oder Bett einen Verstorbenen Vorfahr und verliert seinen Verstand, dann sind das die Ahnengeister, die diese Illusion einer sinnlichen Wahrnehmung hervorrufen. Wer den Siddhas keine Achtung zollt, wird von ihnen verflucht und schon bald verrückt, und der üble Einfluß, unter den er dann gerät, den schreibt man den Siddha Geistern zu. Riecht oder schmeckt man Süßes, wo nichts Süßes ist, und wird davon verwirrt, dann ist man unter dem Einfluß der Rakshasa Geister. Es kann auch geschehen, daß sich unter dem Einfluß der Gandharva Geister himmlische Musiker in das Wesen eines Menschen einmischen, und er davon in kürzester Zeit verrückt wird. Werden Menschen immerzu von Pisachas (Gespenstern) gequält, steckt der böse Geist Paisacha dahinter. Tritt durch irgendeinen Vorfall der Geist von Yakshas in einen Menschen ein, dann verliert dieser sofort seinen Verstand unter der Wirkung des Yaksha Geistes. Es kann auch sein, daß ein Mensch seinen Verstand verliert, weil sich sein Geist in vielen Lastern zersetzt. Solche Krankheit sollte gemäß der Methoden aus den Shastren geheilt werden. Menschen können auch aus Verblüffung, Angst oder beim Anblick gräßliche Omen verrückt werden. Das Heilmittel hier ist die Besänftigung ihres Geistes. Es gibt drei Arten von Geistern, manche sind übermütig, manche gefräßig und manche wollüstig. Bis zu einem Alter von 70 Jahren beeinflussen und quälen diese üblen Geister die Menschen. Danach ist es nur noch das Fieber, welches die fühlenden Wesen peinigt. Doch all diese bösen Geister meiden solche Menschen, welche ihre Sinne zügeln, selbstbeherrscht sind, reine Gewohnheiten haben, die Götter achten, nicht faul oder sündig sind. Nun oh König, habe ich dir die unheilsamen Geister beschrieben, welche die Schicksale der Menschen formen. Dich werden sie nie peinigen, denn du achtest Maheshvara.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter