Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 193 – Markandeya erzählt von Rishi Vaka

Als nächstes fragten die Rishis, Brahmanen und Yudhishthira den Markandeya:
Wie kam es, daß Rishi Vaka so ein langes Leben bekam?

Markandeya gab zur Antwort:
Der königliche Weise Vaka ist ein großer Asket und mit langem Leben gesegnet. Ihr braucht nicht nach dem Grund zu fragen.

Doch Yudhishthira und seine Brüder gaben nicht so leicht auf:
Wir haben gehört, daß sowohl Vaka als auch Dalvya mit einer großen Seele und Unsterblichkeit gesegnet wurden. Und daß die beiden Rishis in universaler Hochachtung gehalten werden und die Freunde des Königs der Götter sind. Oh Heiliger, wir möchten die Geschichte von der Begegnung zwischen Vaka und Indra hören, die so voller Freude und gleichzeitig Kummer ist. Erzähl sie uns wenigstens in Kürze.

Und Markandeya ließ sich nicht länger bitten:
Nachdem der horrende Kampf zwischen Asuras und Göttern vorüber war, wurde Indra der Herrscher über die drei Welten. Die Wolken schütteten reichlich Regen aus, die Bewohner der Erde freuten sich über üppige Ernten und alle folgten ihren hervorragenden Neigungen. Sie waren der Tugend zugetan, übten sich in Moral und schwelgten im Frieden. Alle Menschen folgten hingebungsvoll den Pflichten ihrer Kasten und waren glücklich und voller Frohsinn. Und der Vernichter von Vala erfreute sich ebenso am Anblick all der glücklichen Wesen auf Erden. Auf dem Rücken seines Elefanten Airavata betrachtete Indra mit den hundert Opfern zufrieden seine fröhlichen Untertanen. Seine Blicke wanderten über entzückende Einsiedeleien voller Rishis, glücksverheißende Flüsse, wohlhabende Städte und Dörfer und viele üppige Gegenden. Er beobachtete auch Könige, welche der Tugend folgten und wohlgeübt ihre Untertanen regierten. Er sah Wasserstellen, Quellen, Teiche und üppige Seen, welche von den besten Brahmanen mit ihren Riten und hervorragenden Gelübden geehrt wurden. So stieg der Gott der hundert Opfer auf die Erde herab und begab sich zu einer Einsiedelei mit lieblichen Tieren, Vögeln und reichem Pflanzenwuchs, die am Ufer des Meeres gelegen war im angenehmen und glücksverheißenden Osten. In dieser Einsiedelei lebte Vaka, welcher beim Anblick des Herrschers der Unsterblichen höchst beglückt war. Er ehrte Indra mit Wasser zum Waschen der Füße, mit einem Teppich zum Niedersetzen und den üblichen Gaben des Arghya nebst Früchten und Wurzeln. Als der segenspendende Vernichter von Vala, dieser göttliche Herrscher, welcher kein Alter kennt, entspannt Platz genommen hatte, stellte er Vaka folgende Frage:
Oh sündenloser Muni, du lebst nun schon einhunderttausend Jahre. Erzähl mir von den Sorgen der Unsterblichen.

Vaka antwortete:
Das Zusammenleben mit unangenehmen und hinterhältigen Menschen, Trennung von den Angenehmen und Geliebten – das sind die üblen Seiten, welche Unsterbliche zu ertragen haben. Der Tod von Söhnen und Gemahlinnen, Verwandten und Freunden und der Schmerz, von anderen abhängig zu sein – das sind die größten Qualen dabei. Es gibt für mich nichts Mitleiderregenderes in der Welt, als mit anzusehen, wie arme Menschen von anderen gedemütigt werden. Wenn einer Familie Würde zugeschrieben wird, die keine hat, oder wenn eine würdige Familie mißachtet wird, ebenso wie Vereinigung und Trennung – all das wird von einem wahrgenommen, der ein todloses Leben lebt. Wie diejenigen, welche keine Würde haben aber trotzdem Reichtum erhaschen und dann gewinnen, was ihnen nicht zusteht – all dies, oh Gott der hundert Opfer, liegt vor deinen Augen. Was ist mitleiderregender, als all das Elend mit seinen Kehrseiten, welches Götter, Asuras, Gandharvas, Menschen, Nagas und Rakshasas aushalten müssen? Menschen aus edlen Familien leiden unter der Unterdrückung durch Niedergeborene, und die Armen werden von den Reichen gekränkt. Was ist schlimmer als dies? Zahllose Beispiele für solch gegensätzliche Fügungen findest du in der Welt. Die Törichten und Unwissenden sind fröhlich, während die Gelehrten und Weisen sich grämen. Soviel Elend und Leid ist in der Welt der Menschen. (Und wer von den Unsterblichen es sieht, der leidet darunter.)

Nun erkundigte sich Indra:
Oh du mit dem guten Schicksal, dann sprich mir auch von den Freuden derjenigen, die ein todloses Leben führen und von den Göttern und Rishis gelobt werden.

Vaka antwortete:
Es gibt nichts froheres, als am achten oder zwölften Teil des Tages sich im eigenen Haus ein bescheidenes Mahl aus Gemüse zu kochen, ohne dabei mit hinterhältigen Freunden verbunden zu sein. Wem die Tage solcherart vergehen, der wird auch nicht unersättlich geheißen. Oh Maghavan, ja, das Glück lebt in einem Haus, in dem karge Nahrung gekocht wird. Respekt verdient, wer aus eigener Anstrengung und ohne von anderen abhängig zu sein im eigenen Haus karges Essen zu sich nimmt. Wer in eines anderen Haus Nahrung zu sich nimmt, die ihm nur mit Mißachtung gereicht wird, der tut etwas Verabscheuungswürdiges, sei es auch köstlich süßes Essen. Es ist die Ansicht der Weisen, daß Schande auf dem Essen liegt, welches der Gemeine wie ein Hund oder Rakshasa im Haus eines anderen ißt. Ein guter Brahmane ißt, was übrig bleibt, nachdem Gäste und Diener bewirtet und den Ahnen und Göttern geopfert wurde. Nichts ist heilsamer als das. Nicht ist süßer und heiliger, oh du mit den hundert Opfern, als die Nahrung, die man zu sich nimmt, nachdem die Gäste die erste Portion erhalten haben. Jede Mundvoll Reis, die man zu sich nimmt, nachdem die Gäste bewirtet wurden, schafft ebenso viel Verdienst wie das Schenken von tausend Kühen. Selbst die Sünden der Jugend werden zum großen Teil damit abgewaschen. Und wer seinen brahmanischen Gast nach dem Essen noch mit Geschenken ehrt und ihm Wasser reicht, der wird mit dem ersten Spritzer Wasser von allen Sünden gereinigt.

So sprachen Indra und Vaka über dies und das bis schließlich der Herr der Götter wieder in den Himmel zurückkehrte.


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