Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 111 – Rishyasring wird verführt

Lomasa erzählte weiter:
Zuvor ließ sie mit Zustimmung des Königs eine schwimmende Einsiedelei bauen, welche mit künstlichen Bäume, vielen Blumen und Früchten ausgestattet war. Auch Kletterpflanzen und Büsche schmiegten sich in das entzückende Bild, und alles war hübsch und zauberhaft. Auf dem Fluß trieben sie zur Einsiedelei von Kasyapas Sohn und vertäuten unweit davon das Boot. Dann sandte die Alte Boten aus, die Ort und Zeit erkunden sollten, wann der Vater regelmäßig ausging. Bald ergab sich eine Gelegenheit, welche ihrem Plan entsprach und sie sandte ihre Tochter aus, welche eine Kurtisane war und klugen Sinnes. Das schlaue Töchterchen umschritt die Einsiedelei der Asketen, bis sie den Sohn des Heiligen entdeckte.

Und die Kurtisane sprach zu ihm:
Ich hoffe, oh Asket, daß mit den religiösen Anhängern alles in Ordnung ist. Ich hoffe auch, du hast genügend Früchte und Wurzeln und erfreust dich an deiner Wohnstätte. Ich kam nur vorbei, um dir einen Besuch abzustatten. Entfaltet sich auch die Praxis der Buße unter den Asketen in vermehrendem Maße? Ich hoffe auch, der Geist deines Vaters ist kraftvoll und zufrieden mit dir. Oh Rishyasring aus der Priesterkaste, verfolgst du auch deine Studien in angemessener Weise?

Rishyasring antwortete:
Du strahlst in einem Glanz, als ob du reines Licht wärst. Ich erachte dich der Gehorsamkeit für würdig. Ich werde dir Wasser bringen zum Waschen der Füße, und leckere Früchte, die du bestimmt gern magst, denn dies hat mich meine Religion gelehrt. Bitte setz dich nieder und fühl dich wohl auf dieser Matte aus heiligem Gras, die mit schwarzem Hirschfell bedeckt und daher bequem ist. Wo ist deine Einsiedelei? Oh Brahmane, dein Gesicht gleicht einem Gott. Wie heißt das spezielle religiöse Gelübde, dem du gerade zu folgen scheinst?

Die Kurtisane antwortete:
Oh Enkelsohn des Kasyapa, auf der anderen Seite des Hügels in etwas drei Yojanas liegt meine Einsiedelei. Es ist ein malerischer Ort. Und auf jede Ehre zu verzichten, ist das Gelübde, das mir das Schicksal dort gegeben hat. So werde ich auch dies Wasser zum Waschen meiner Füße nicht berühren. Denn ich bin der Verehrung von Menschen wie dir nicht würdig. Oh Brahmane, meine religiösen Gelübde verlangen nur eins, nämlich daß ich dich umarmen muß.

Doch Rishyasring erwiderte:
Oh laß mich dir süße und reife Früchte bringen, wie Gallnüsse, Kirschpflaumen, Karushas, Ingudas aus sandiger Erde und Feigen. Mögen sie dir schmecken.

Doch sie lehnte alles Eßbare ab, und gab ihm ihrerseits Nahrung, die für einen Asketen zwar ungeeignet war, doch für Rishyasring wunderschön ausschaute und ihm gefiel. Auch reichte sie ihm schwer und süß duftende Blumenkränze, schöne und schimmernde Kleidung und vorzüglichen Trunk. Dann lachte und spielte sie vor ihm voller Vergnügen und biegsam wie eine Gerte mit einem Ball. Manchmal berührte sie ihn und nahm ihn in die Arme. Oder sie zog die Zweige von blühenden Bäumen zu sich herab, brach sie und überreichte ihm die Sal-, Asoka- und Tilaka- Blüten. Auch tat sie schüchtern und versuchte alles, um den Sohn des großen Asketen zu verführen. Als sie bemerkte, daß sie das Herz des Jungen berührt hatte, schmiegte sie ihren Körper an den seinen, warf ihm berauschte Blicke zu und zog sich dann langsam zurück unter dem Vorwand, daß sie nun dem Feuer opfern müsse. Nach ihrem Weggang wurde Rishyasring von Liebe überwältigt, und er war wie betäubt. Die Gedanken flogen ständig zu ihr, und er fühlte sich ganz leer. Er begann zu seufzen und sah sehr traurig aus, als sein Vater Vibhandaka heimkam. Dieser hatte dunkle Augen wie ein Löwe. Sein Körper war mit Haar bis zu den Fingerspitzen bedeckt. Immer war er mit den seiner Kaste angemessenen Studien beschäftigt, und sein Leben war rein und der religiösen Meditation gewidmet. Nun sah er seinen Sohn einsam sitzend, trübsinnig und traurig. Mit aufgewühltem Geist und nach oben gewandtem Blick seufzte er ein ums andere Mal.

So sprach der Vater zum Sohn:
Mein Junge, warum hast du heute nicht das Holz fürs Feuer gehackt? Ich hoffe, du hast die Gaben im Opferfeuer verbrannt, all die Opferkellen und Löffel poliert und das Kalb zur Mutter gebracht, deren Milch uns mit Opfergaben versorgt. Du bist heute gar nicht wie sonst. Warum bist du so traurig? Du bist nachdenklich und hast deinen Eifer verloren. Also frag ich dich, wer war heute hier?


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