Pushpak Mahabharata Buch 6Zurück WeiterNews

Kapitel 109 - Der zehnte Tag des Kampfes beginnt

Dhritarashtra fragte:
Wie näherte sich Sikhandin dem Sohn der Ganga im Kampf? Und wie ging Bhishma gegen die Pandavas vor? Berichte mir alles, oh Sanjaya!

Und Sanjaya sprach:
Zur Stunde des Sonnenaufgangs begaben sich all die Pandavas unter dem Schlagen von Trommeln und Becken sowie unter dem Klang der milchweißen Muschelhörner erneut zum Kampf und stellten Sikhandin an ihre Spitze. Sie marschierten auf, oh König, und bildeten eine Gefechtsformation, die für alle Feinde unzerstörbar war. Sikhandin wurde an der vordersten Front aller Truppen aufgestellt. Bhimasena und Arjuna waren die Beschützer seiner Wagenräder. An seiner Rückfront standen die Söhne der Draupadi und der tapfere Abhimanyu. Deren Beschützer waren die mächtigen Wagenkrieger Satyaki und Chekitana. Hinter ihnen war Dhrishtadyumna, der von den Panchalas geschützt wurde. Hinter Dhrishtadyumna marschierte der königliche Yudhishthira, von den Zwillingen begleitet, und erfüllte die Luft mit seinem Löwengebrüll, oh Stier der Bharatas. Als nächstes kam Virata, der von seinen eigenen Truppen umgeben war. Neben ihm marschierte Drupada, oh Starkarmiger, und die fünf Kaikeya Brüder beschützten mit dem tapferen Dhristaketu die Rückfront der Pandava Armee. Nachdem sie ihre ausgedehnte Armee in dieser Formation angeordnet hatten, marschierten die Pandavas gegen deine Heerschar, oh Bharata, und alle waren bereit, ihr Leben zu opfern.

In ähnlicher Weise, oh König, stellten die Kauravas den mächtigen Wagenkrieger Bhishma an die Spitze ihrer ganzen Heerschar und marschierten gegen die Pandavas. Dieser unbesiegbare Krieger wurde von deinen mächtigen Söhnen beschützt. Hinter ihnen stand der große Bogenschütze Drona mit seinem mächtigen Sohn Aswatthaman. Als nächstes kam Bhagadatta, der von seiner Elefantenabteilung umgeben war. Und hinter Bhagadatta waren Kripa und Kritavarman, sowie Sudakshina, der mächtige Herrscher der Kambojas, Jayatsena, der König der Magadhas, Shakuni, der Sohn von Suvala, und Vrihadvala (der Herrscher der Kosalas). Und wie bei den Pandavas beschützten viele weitere Könige, die alles große Bogenschützen waren, die Rückfront deiner Heerschar, oh Bharata. Wie jeden Tag in der Schlacht bildete Bhishma, der Sohn von Shantanu, die Gefechtsformation, manchmal nach der Weise der Asuras, manchmal nach Art der Pisachas und manchmal auch nach der Rakshasa Art. Dann begann der Kampf zwischen deinen Truppen, oh Bharata, und den ihrigen, während sich beide Parteien gegenseitig schlugen und damit die Bevölkerung des Reiches von Yama anschwellen ließen.

Die Pandavas mit Arjuna als Kopf, hatten Sikhandin an ihre Spitze gestellt und näherten sich Bhishma in diesem Kampf, indem sie verschiedenartige Pfeile abschossen. Oh Bharata, gequält von den Pfeilen Bhimas, gingen viele deiner Krieger blutgebadet zur anderen Welt. Und auch Nakula, Sahadeva und der mächtige Wagenkrieger Satyaki näherten sich deiner Armee und begannen, sie kraftvoll zu quälen. So geschlagen im Kampf, oh Stier der Bharatas, waren deine Krieger außerstande, dieser ausgedehnten Heerschar der Pandavas zu widerstehen. Und deine Heerschar, die kräftig von den großen Wagenkriegern angegriffen und überall zerschlagen wurde, floh nach allen Seiten davon. Bedrängt von den scharfen Pfeilen der Pandavas und Srinjayas fanden sie nirgends einen Beschützer, oh Stier der Bharatas.

Da fragte Dhritarashtra:
Berichte mir, oh Sanjaya, was der tapfere Bhishma zornentbrannt im Kampf unternahm, als er meine, von den Pandavas gequälte Heerschar erblickte. Oh Sündloser, erzähle mir, wie dieser Held, der Feindevernichter, gegen die Pandavas zum Kampf stürmte und auch die Somakas schlug.

Sanjaya sprach:
Ich werde dir, oh König, berichten, was dein Vater unternahm, als die Heerschar deiner Söhne durch die Pandavas und Srinjayas gequält wurde. Mit heiterem Herzen stießen die tapferen Söhne des Pandu, deinem älteren Bruder, auf die Heerschar deines Sohnes. Dieses Gemetzel, oh Führer der Menschen, von Männern, Elefanten und Rossen, diese Zerstörung deiner Armee durch den Feind im Kampf, konnte Bhishma nicht erdulden. Dieser unbesiegte und große Bogenschütze begann, ohne Rücksicht auf sein Leben die Pandavas, Panchalas und Srinjayas mit dichten Schauern von langen, halbmondförmigen Pfeilen zu überschütten. Wohl gerüstet mit seinen Pfeilen und anderen Waffen, sowohl zur Abwehr als auch zum Angriff, die alle mit Energie und Zorn beschleunigt wurden, hielt er die fünf mächtigen Wagenkrieger der Pandavas auf, die kraftvoll gekämpft hatten. Im Zorn lodernd schlug er in diesem Kampf unzählige Elefanten und Rosse. Und dieser Stier unter den Männern, oh Monarch, warf viele Wagenkrieger von ihren Wagen, auch Reiter von ihren Pferden, Scharen von Infanteristen (von ihren Füßen) und Elefantenkrieger vom Rücken ihrer Tiere und schlug den Feind mit Terror. Daraufhin stürmten die Pandava Krieger alle zusammen gegen Bhishma allein, diesen mächtigen Wagenkrieger, der mit größter Anstrengung kämpfte, wie die Dämonen gemeinsam gegen Indra stürmten, der den Donnerkeil hält. Doch Bhishma schoß nach allen Seiten seine geschärften Pfeile, deren Berührung der des Donners von Indra glich, und erschien dem Feind mit grimmigem Gesicht. Als er in dieser Schlacht kämpfte, sah man seinen großen Bogen, der dem von Indra ähnelte, beständig zum Kreis gespannt. Und als deine Söhne, oh Monarch, diese Leistungen im Kampf erblickten, wurden sie von höchster Bewunderung erfüllt und verehrten den Großvater. Die Pandavas richteten dagegen ihre Augen mit freudlosen Herzen auf deinen heroischen Vater, der kämpfte, wie die Himmlischen einst gegen (den Dämon) Viprachitti. Sie konnten diesem Krieger nichts anhaben, der dem Zerstörer selbst mit weit geöffnetem Rachen glich. In diesem Kampf am zehnten Tag vernichtete Bhishma mit seinen scharfen Pfeilen die Armee von Sikhandin wie eine Feuersbrunst, die einen Wald verbrennt. Doch dann wurde Bhishma, der einer zornigen Giftschlange oder dem vom Tod selbst getriebenen Zerstörer ähnelte, von Sikhandin mit drei Pfeilen mitten in die Brust getroffen. Tief durchbohrt, erkannte er, daß es Sikhandin war (der ihn angriff). Und zornvoll, aber abgeneigt (mit Sikhandin zu kämpfen), sprach Bhishma lachend:
Ob du nun beschließt, mich zu schlagen oder nicht, ich werde niemals mit dir kämpfen. Du bist immer noch die gleiche Sikhandini, wie dich der Schöpfer einst gemacht hatte!

Als Sikhandin diese Worte von ihm hörte, verlor er fast seine Sinne vor Zorn, leckte sich die Mundwinkel und sprach zu Bhishma in diesem Kampf:
Ich weiß, oh Starkarmiger, daß du der Vernichter des Kshatriya Geschlechts bist. Ich habe auch von deinem Kampf mit dem Sohn von Jamadagni (Rama mit der Axt) gehört und viel von deiner übermenschlichen Heldenkraft. Doch obwohl ich deine Kraft kenne, werde ich heute gegen dich kämpfen. Um das zu tun, was für die Pandavas gut ist und auch für mich, oh Feindevernichter, werde ich dich angreifen, oh Bester der Männer. Ich werde dich mit Sicherheit schlagen! Dies schwor ich dir einst bei meiner Ehre. Nach diesen Worten von mir handle, wie du möchtest. Ob du nun beschließt, mich zu schlagen oder nicht, du sollst mir heute nicht mit dem Leben davonkommen. Oh du Unbesiegter, oh Bhishma, schaue ein letztes Mal auf diese Welt!

Sanjaya fuhr fort:
So sprach Sikhandin und durchbohrte in diesem Kampf Bhishma mit fünf geraden Pfeilen, nachdem er ihn bereits mit seinen Wortpfeilen getroffen hatte. Und diese Worte von ihm hörend, betrachtete Arjuna, der mächtige Wagenkrieger, Sikhandin bereits als den Zerstörer von Bhishma und trieb ihn weiter an, indem er sprach:
Ich werde hinter dir kämpfen und den Feind mit meinen Pfeilen schlagen. Stürme du mit ganzer Wucht gegen Bhishma mit der schrecklichen Heldenkraft! Der mächtige Bhishma wird nicht imstande sein, dich außer Gefecht zu setzen. Deshalb, oh Starkarmiger, bekämpfe Bhishma mit aller Kraft! Wenn du, oh Herr, heute ohne den Sieg über Bhishma zurückkehrst, werden du und auch ich zum Gegenstand des Spotts für die Welt werden. Bemühe dich in diesem Kampf, alles zu tun, damit wir, oh Held, nicht den Spott in dieser großen Schlacht auf uns laden. Halte den Großvater auf! Oh du Kraftvoller, ich werde dich in diesem Kampf beschützen und alle anderen Wagenkrieger abwehren. Schlage den Großvater! Drona und sein Sohn, Kripa, Duryodhana, Chitrasena, Vikarna, Jayadratha, der Herrscher der Sindhus, Vinda und Anuvinda aus Avanti, Sudakshina, der Herrscher der Kambojas, der tapfere Bhagadatta, der mächtige König der Magadhas, der Sohn von Somadatta, der tapfere Rakshasa und Sohn von Rishyasringa, der Herrscher der Trigartas und auch alle anderen großen Wagenkrieger werde ich allein zurückdrängen, wie der Kontinent das heranstürmende Meer. Wahrlich, ich werde all die mächtigen Kuru Krieger abwehren, die hier versammelt sind, um gegen uns zu kämpfen. Doch schlage du den Großvater!


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