Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 307 – Kunti bringt Karna zur Welt und setzt ihn aus

Vaisampayana fuhr fort:
Am ersten Tag der hellen Hälfte des zehnten Monats empfing Kunti ihren ersten Sohn, der dem Herrn der Sterne selbst glich. Aus Furcht vor ihrer Familie versteckte Kunti ihre Schwangerschaft, so daß niemand davon erfuhr. Sie lebte ganz in ihren Gemächern, und nur ihre Amme kannte die Wahrheit. Durch die Gnade der Gottheit brachte das Mädchen zur rechten Zeit einen schönen Sohn zur Welt, der wie sein Vater eine Rüstung und glitzernde Ohrringe trug. Er hatte Löwenaugen und Schultern wie ein Stier. Gleich nach der Geburt beriet sich Kunti mit ihrer Amme und legte das Baby in einen bequemen und gut gepolsterten Korb mit weichen Tüchern und einem kostbaren Kissen. Die Oberfläche war mit Wachs versiegelt und alles war von einer prächtigen Decke verhüllt. Mit Tränen in den Augen trug sie das Neugeborene zum Fluß Ashwa und übergab den Korb den sanften Wellen. Und obwohl sie wußte, daß es unangemessen war, als Unverheiratete ein Kind zu gebären, weinte doch die Mutter in ihr bitterlich. So höre, oh König, die Worte, die Kunti schluchzte, als sie das Körbchen dem Wasser überließ:
Mein Kind, mögen dir alle Bewohner zu Land und zu Wasser, im Himmel und den himmlischen Regionen wohlgesonnen sein. Mögen deine Wege voller Glück sein. Nichts soll deinen Pfad versperren. Mögen die Herzen derer, die deine Wege kreuzen, keine Feindschaft für dich verspüren. Möge Varuna, der Herr des Wassers, dich im Wasser beschützen. Möge dich Vayu, der Gott des Windes, der die Luft durchwandert, überall in der Luft beschützen. Möge dein Vater Surya, der Wärmespendende, von dem ich dich durch Beschluß des Schicksals empfangen habe, überall (unter der Sonne) beschützen. Mögen die Adityas und Vasus, die Rudras und Sadhyas, die Viswadevas und Maruts, alle Hauptrichtungen des Himmels, ihre Herrscher nebst dem großen Indra, ja alle Himmlischen dich immer bewahren. Selbst in der Fremde werde ich dich stets an deiner Rüstung erkennen. Dein Vater Surya mit dem großen Glanze ist wahrlich gesegnet, denn mit seiner himmlischen Sicht wird er sehen, wie du den Strom hinabschwimmst. Und gesegnet sei die Dame, die dich Gottessohn als den ihren annimmt und dich tränkt, wenn du dürstest. Welch glücklicher Traum erfüllt sich für jene, die dich adoptiert, denn du strahlst wie die Sonne, trägst eine himmlische Rüstung und göttliche Ohrringe, hast große Lotusaugen, eine Hautfarbe so glänzend wie poliertes Kupfer, eine schöne Stirn und hübsche Haare, die in zauberhaften Locken enden. Wer dich staubig am Boden krabbeln sieht und dir zuhört, wie du süße Laute brabbelst, ist wahrlich gesegnet, mein Sohn. Und wer mit ansieht, wie du zum Jüngling wirst, wie ein Himalaya Löwe mit prächtiger Mähne, der ist auch gesegnet.

So weinte und klagte Kunti lange Zeit, doch dann setze sie den Korb in die Fluten des Stromes. Traurig weinend sahen Kunti und ihre Amme dem Korb mitten in der Nacht hinterher, doch aus Furcht, vom Vater entdeckt zu werden, kehrten sie schnell in den Palast zurück. Der Korb schwamm vom Fluß Ashwa in den Fluß Charmanwati, von der Charmanwati in die Yamuna und von dort in die Ganga. Von den Wellen der Gange getragen kam das Körbchen in die Stadt Champa, welche von einem Suta regiert wurde. Und die ganze Zeit hielten seine Rüstung und die Ohrringe aus Amrit, mit denen er geboren worden war, und der Beschluß des Schicksals das Kind am Leben.


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