Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 296 – Begegnung mit dem Tod

Markandeya fuhr fort:
Als nächstes sammelte der starke Satyavan genügend Früchte und packte sie in einen Beutel. Dann fällte er einige Äste und hackte sie zurecht. Doch schon bald fing er an zu schwitzen, und sein Kopf schmerzte. Plötzlich sprach er völlig ermattet zu seiner geliebten Gattin:
Oh Savitri, wegen der schweren Arbeit habe ich Kopfweh. Mein Herz und alle Glieder sind ganz wund. Ich fühle mich unwohl, oh du mit der gezügelten Rede. Mein Kopf schmerzt, als ob er von vielen Pfeilen durchbohrt würde. Ich muß mich eine Weile ausruhen und schlafen, oh du glücksverheißende Dame, denn ich habe keine Kraft mehr zu stehen.

Schnell eilte da Savitri heran, setzte sich auf die Erde und legte den Kopf ihres Mannes in ihren Schoß. Wieder dachte sie an Naradas Worte und zählte Tag, Stunde und Moment. Im nächsten Augenblick sah sie einen Mann heranschreiten. Sein Körper war in rote Kleider gehüllt und sein Haupt schmückte ein Diadem. Er war hochgewachsen und strahlte wie die Sonne. Sein Antlitz war dunkel, seine Augen rot, und er hielt eine Schlinge in der Hand, die schrecklich anzusehen war. Neben Satyavan blieb er stehen und starrte ihn lange an. Sanft legte da Savitri ihres Mannes Haupt auf den Boden, erhob sich mit bebendem Herzen und sprach mit zitternder Stimme:
Aufgrund deiner übermenschlichen Erscheinung halte ich dich für eine Gottheit. Bitte sage mir, oh großer Gott, wer du bist und was du beabsichtigst zu tun.

Und Yama antwortete ihr:
Oh Savitri, du bist deinem Ehemann sehr ergeben und hast asketischen Verdienst. Darum spreche ich mit dir. Wisse, oh du Glücksverheißende, ich bin Yama. Deinem Gatten Satyavan, diesem Sohn eines Königs, läuft heute die Zeit ab. Ich werde ihn also mit meiner Schlinge binden und fortführen. Dies ist meine Pflicht.

Savitri fragte:
Ich habe gehört, daß sonst deine Boten kommen, um die Sterblichen hinwegzuführen. Oh Ehrenwerter, warum kamst du heute persönlich hierher?

Der ruhmreiche Herr der Pitris mochte ihr gern alles erklären und eröffnete ihr also seine Absichten:
Dieser Prinz verfügt über Tugenden und Schönheit. Er ist ein Meer an guten Fähigkeiten. Er verdient es, von mir persönlich davongetragen zu werden.

Mit diesen Worten zog Yama kräftig ein Wesen aus Satyavans Körper, was so groß wie ein Daumen war, band es mit seiner Schlinge und brachte es so völlig unter seine Kontrolle. Und da ihm nun das Leben genommen war, verlor Satyavans Körper Atem, Bewegung und Glanz und sah ganz häßlich aus. Yama machte sich auf den Weg in südliche Richtung, die Lebensessenz (Prana) von Satyavan mit sich nehmend. Und die traurige Savitri, welche ihrem Herrn so ergeben und durch ihre Gelübde mit Erfolg gekränzt war, folgte ihm.

Sofort sagte Yama zu ihr:
Halt ein, oh Savitri. Geh zurück und führe die Begräbnisriten für deinen Herrn aus. Damit wirst du aller Verpflichtungen ihm gegenüber frei. Du bist so weit gegangen, wie es nur möglich ist.

Savitri erwiderte:
Ob mein Ehemann nun getragen wird oder aus eigener Kraft geht, ich folge ihm. Dies ist der ewige Brauch. Aufgrund meiner Askese, der Achtung vor den Höhergestellten, der Befolgung meiner Gelübde, aus Liebe zu meinem Herrn und durch deine Gunst ist mein Schritt ungehindert. Die Weisen mit wahrhaftem Wissen haben erklärt, daß man durch sieben gemeinsame Schritte Freundschaft schließt. Und da wir also Freunde geworden sind, werde ich zu dir sprechen. Höre mir zu. Wer seine Seele nicht unter Kontrolle hat, erwirbt keinen Verdienst, auch wenn er die vier erfolgsversprechenden Lebensabschnitte befolgt, wie das Studium im Zölibat, das häusliche Leben, Rückzug in die Waldeinsamkeit und Entsagung von der Welt. Man sagt, daß religiöser Verdienst aus wahrem Wissen besteht. Und die Weisen meinen, daß religiöser Verdienst das Höchste ist, und nicht das Durchlaufen dieser vier Lebensabschnitte. Wer seine Pflichten in einem Abschnitt nach dem Gebot der Weisen ausführt, erlangt wahren Verdienst, und begehrt nicht nach anderem, wie Zölibat, Studium oder Entsagung. Deswegen erklären ja die Weisen, daß religiöser Verdienst das Höchste ist.

Nachdem Yama ihren Worten gelauscht hatte, sprach er:
Halte ein! Doch mir gefiel deine Rede der angemessenen Worte, angenehmen Stimme und guten Vernunft. Bitte um einen Segen. Außer dem Leben deines Mannes, werde ich dir alles erfüllen, was du wünschst.

Da bat Savitri:
Blind und ohne Königreich führt mein Schwiegervater ein zurückgezogenes Leben in der Einsamkeit der Wälder. Möge der König durch deine Gnade sein Augenlicht wiederbekommen und so stark wie das Feuer oder die Sonne sein.

Yama:
Oh du mit dem makellosen Gesicht, ich gewähre dir diesen Segen. Es wird sein, wie du es wünschst. Doch mir scheint, du bist müde von der Reise. Laß nun ab und kehre um. Unterwirf dich nicht länger dieser Mühe.

Savitri:
Welche Erschöpfung könnte ich in Gegenwart meines Ehemannes fühlen? Das Los meines Gatten ist auch das meine. Wohin du meinen Gemahl auch trägst, dorthin werde ich gehen. Oh Herr der Himmlischen, höre mir noch einmal zu. Selbst das kleinste Gespräch mit den Frommen ist höchst wünschenswert, und Freundschaft mit ihnen zählt noch mehr. Eine Unterhaltung mit Tugendhaften kann niemals fruchtlos sein. Und so sollte man auch mit Tugendhaften leben.

Yama:
Deine bedeutsamen Worte erfreuen mein Herz und vermehren die Weisheit selbst der Gelehrten. So bitte um einen zweiten Segen, außer um das Leben von Satyavan.

Savitri:
Schon lange lebt mein weiser und gelehrter Schwiegervater ohne sein Reich. Möge er es wiedererlangen. Und möge dieser Herr niemals seine Pflichten vernachlässigen. Das ist mein zweiter Wunsch.

Yama:
Schon bald wird der König sein Reich wiederbekommen und niemals von seinen Pflichten abfallen. Ich habe deinen Wunsch bereits erfüllt, oh Tochter eines Königs. Doch kehre nun um und mach dir keine weiteren Schwierigkeiten.

Savitri:
Durch Gesetz beschränkst du die Kreaturen, und durch Gesetz, und nicht gemäß deines Willens, nimmst du sie mit dir. Daher nennen dich die Menschen Yama (der mit Gesetzen regiert). Höre mir noch einmal zu. Es ist die ewige Pflicht der Guten, andere niemals zu verletzen, weder mit Worten, Gedanken noch Taten, sondern ihnen zu geben, was ihnen zusteht und sie zu lieben. So ist in dieser Welt alles meinem Ehemann gleich. Den Menschen mangelt es oft an Hingabe und Geschick. Doch die Guten zeigen immer Gnade, auch wenn es die Feinde sind, die ihre Hilfe suchen.

Yama:
Deine Worte laben mich wie Wasser die ausgetrocknete Kehle. Erbitte noch einen Segen, wenn du es wünschst, oh schöne Dame, doch nicht Satyavans Leben.

Savitri:
Mein Vater, dieser Herr der Erde, hat keine Söhne. Möge er hundert Söhne aus seinen Lenden zeugen, damit sich seine Linie fortpflanze. Dies ist der dritte Segen, um den ich bitte.

Yama:
Ja, du glückbringende Dame, dein Vater soll hundert ruhmreiche Söhne bekommen, die sein Geschlecht vermehren und fortführen. Dein Wunsch ist erfüllt, oh Tochter eines Königs. So bleib nun stehen, du bist weit genug gekommen.

Savitri:
An der Seite meines Gatten spüre ich nicht die Länge des Weges, den ich gehe. Denn wahrlich, es ist mein Geist, der einen noch viel längeren Weg dahineilt. So höre mir weiter zu, während du ausschreitest. Du bist der mächtige Sohn des Vivasvat, und so nennen dich die Weisen Vaivasvat. Weil du gleiches Recht an allen übst, oh Herr, trägst du auch den Titel Herr der Gerechtigkeit. Nirgends ruht soviel Vertrauen, nicht einmal in einem selbst, als in den Gerechten. Daher wünscht sich jeder Vertrautheit mit den Gerechten. Doch nur die Güte des Herzens läßt das Vertrauen in allen Kreaturen wachsen. Und so reagieren die Menschen vor allem auf die Gerechten.

Yama:
Diese Worte, oh schöne Dame, habe ich noch von niemandem vernommen. Ich bin höchst zufrieden mit deiner Rede. So bitte um einen vierten Segen, wenn es nicht das Leben Satyavans ist, und geh dann deines Weges.

Savitri:
Mögen aus Satyavans Lenden in mir hundert starke, mächtige und unser Geschlecht fortführende Söhne geboren werden. Das ist der vierte Segen, den ich von dir erbitte.

Yama:
Du sollst hundert starke und mächtige Söhne bekommen, die dir große Freude bereiten werden. Nun überlaß dich nicht länger der Anstrengung, oh Tochter eines Königs. Halte ein. Du bist schon zu weit gekommen.

Savitri:
Die Gerechten üben immerzu ewige Moral. Und die Vereinigung der Frommen mit den Frommen ist niemals fruchtlos. Auch gibt es zwischen ihnen keine Gefahr. Tatsächlich sind es die Gerechten, welche durch ihre Wahrhaftigkeit die Sonne durch den Himmel gleiten lassen. Die Erde stützen sie mit ihrer Enthaltsamkeit, und von ihnen hängen Vergangenheit und Zukunft ab. Die Gerechten sind niemals freudlos in der Gesellschaft von Gerechten. Wer die ewige Praxis der Guten und Gerechten verstanden hat, wird unablässig anderen Gutes tun, ohne einen Gewinn dafür zu erwarten. Ein guter Dienst ist niemals vergebens. Bei einer guten Tat leiden weder Nutzen noch Würde. Und weil die Gerechten so handeln, sind sie die Beschützer aller.

Yama:
Je mehr du solch bedeutende Worte sprichst, voller aufrechter Würde, Moral und dem Geist so angenehm, desto mehr Respekt empfinde ich für dich. Da du dem Herrn so hingegeben bist, bitte um einen unvergleichlichen Segen.

Nun bat Savitri:
Du Verteiler von Ehren, der Segen, den du mir bereits gewährt hast, ist nicht möglich ohne die Vereinigung mit meinem Ehemann. Darum bitte ich dich vor allem, Satyavan das Leben wiederzugeben. Ohne meinen Ehemann bin ich wie tot und wünsche keine Glückseligkeit. Ohne meinen Ehemann sehne ich mich nicht einmal nach dem Himmel oder nach Wohlstand. Ohne meinen Ehemann kann ich meinen Geist nicht zum Leben wenden. Du selbst hast mir hundert Söhne mit ihm gewährt, und willst meinen Ehemann doch davontragen? Ja, dies ist der Segen, um den ich flehe: Das Leben Satyavans, damit deine Worte wahr werden.

Und Yama sprach:
So sei es.

Dann löste dieser Aufrechterhalter der Gerechtigkeit die Schlinge und sprach mit freudigem Herzen zu Savitri:
Hier ist dein von mir befreiter Ehemann, du glücksbringende und keusche Dame. Nimm ihn zurück, nun ohne alle Krankheit. Er wird erfolgreich sein. Mit dir zusammen wird er vierhundert Jahre leben und viele große Opfer vollbringen, die ihm in dieser Welt großen Ruhm spenden werden. Mit dir wird Satyavan hundert Söhne zeugen. Die Söhne und Enkelsöhne dieser Kshatriyas werden alle Könige sein und immer ruhmreich mit deinem Namen verbunden sein. Auch dein Vater wird hundert Söhne mit deiner Mutter Malawi bekommen. Unter dem Namen Malawis werden deine den Himmlischen gleichenden Kshatriya Brüder mit ihren Söhnen und Töchtern weithin bekannt sein.

Satyavan erwacht und sorgt sich um seine Eltern

Nach all diesen Segen ließ er Savitri einhalten und kehrte in das Reich der Pitris, seiner Heimstatt, zurück. Und Savitri begab sich wieder zu dem Ort, an dem der bleiche Leichnam ihres Mannes lag. Sie nahm ihn in die Arme, legte sein Haupt in ihren Schoß und wartete, auf dem Boden sitzend. Schon bald kamen Satyavan Leben und Bewußtsein wieder, und er schaute Savitri lange und voller Zärtlichkeit an, als ob er von einer langen Reise aus einem fernen Land zurückgekommen wäre.

Dann sprach er zu Savitri:
Oh, ich habe lang geschlafen. Warum hast du mich nicht aufgeweckt? Und wo ist diese rotgekleidete Person, dich mich fortgetragen hat?

Savitri antwortete ihm:
Du hast, oh Bulle unter den Männern, lang in meinem Schoß geschlafen. Und der ehrenwerte Yama, der allen Kreaturen ihre Grenze zeigt, ist fortgegangen. Nun bist du erfrischt, oh Gesegneter, und der Schlaf hat dich verlassen. Wenn du kannst, erhebe dich, oh Sohn eines Königs, denn schau, es ist bereits tiefe Nacht.

Sich von süß erquickendem Schlaf aufrichtend und nach allen Seite umschauend sprach Satyavan:
Oh Mädchen mit der schlanken Taille, ich kam hierher, um Früchte zu sammeln. Dann habe ich Holz geschlagen und fühlte heftiges Kopfweh. Ich konnte nicht länger stehen, legte mich in deinen Schoß und schlief ein. An all dies, oh glücksverheißende Dame, kann ich mich erinnern. Du umarmtest mich, und der Schlaf stahl sich in meine Sinne. Dann sah ich nur Dunkelheit rings umher, und in der Mitte eine höchst strahlende Person. Wenn du etwas darüber weißt, oh schlankes Mädchen, so sag mir, war es Traum oder Wirklichkeit?

Savitri meinte dazu:
Es ist tiefe Nacht, oh Prinz. Ich werde dir alles morgen erzählen. Erhebe dich nun. Möge dir Gutes geschehen! Komm, oh du Gelübdetreuer, und geh zu deinen Eltern. Die Sonne ging vor langer Zeit unter, und es ist völlig dunkel. Die Wanderer der Nacht mit ihren furchteinflößenden Stimmen wandern fröhlich umher. Und überall hört man die Rufe der Waldbewohner, die durch das Dickicht streifen. Die gräßlichen Schreie der Schakale tönen von Süden und Osten und lassen mein furchtsames Herz erbeben.

Satyavan stimmte ihr zu:
Ja, in der Dunkelheit ist die Wildnis schrecklich. Du wirst weder den Rückweg erkennen und noch nach Hause finden.

Doch Savitri sprach:
Sieh, es hat heute im Wald gebrannt, und dort steht noch ein verwitterter Baum in Flammen, die vom Wind immer wieder angefacht werden. Ich werde ein paar Fackeln entzünden. Sei unbesorgt. Ich werde für dich gehen, wenn du es nicht wagst, weil du dich noch unwohl fühlst. Und wenn wir den Weg nicht erkennen können, so werden wir morgen gehen, wenn alles wieder sichtbar ist. Wenn du es wünschst, oh Südenloser, bleiben wir den Rest der Nacht hier.

Und Satyavan antwortete ihr:
Meine Kopfschmerzen sind verflogen, und ich fühle neue Kraft in meinen Gliedern. Mit deiner Gunst möchte ich meine Eltern sehen. Nie zuvor kehrte ich nicht zur rechten Zeit aus dem Wald zurück. Schon vor der Dämmerung ließ mich die Mutter nicht mehr aus der Einsiedelei. Sogar während des Tages waren meine Eltern oft besorgt um mich, und mein Vater suchte mich mit all den anderen im Wald. Schon oft haben sie mich zutiefst traurig getadelt, daß ich so lange getrödelt hätte. Heute werden sie sich besonders wegen mir grämen, wenn sie mich vermissen. Einst haben die beiden in ihrer zärtlichen Liebe zu mir geweint und kummervoll gesprochen:
Ohne dich könnten wir keinen Augenblick länger leben. Nur solange du lebst, werden auch wir leben. Du bist die Stütze des Blinden, und an dir hängt der Fortbestand unserer Familie. Und auch an dir ist es, unsere Begräbnisriten für die Ahnen und den Ruhm zu sichern.
Mutter und Vater sind beide alt. Ich bin wahrlich ihre Stütze. Wenn sie mich heute nacht nicht bei sich haben, werden sie höchste Not leiden. Oh jetzt hasse ich meine Schläfrigkeit, denn wegen ihr müssen Vater und Mutter zittern, und ich sorge mich jetzt sehr um sie. Ohne die beiden könnte ich das Leben nie ertragen. Bestimmt fragt mein blinder und bekümmerter Vater schon jeden in der Einsiedelei nach mir. Um mich traure ich nicht so sehr, oh schöne Dame, wie um meinen Vater und meine schwache, ihm ergebene Mutter. Sicherlich leiden sie wegen mir jetzt große Qualen. Dabei lebe ich doch, damit sie leben. Und ich weiß, daß ich meine Eltern stets zu ihrem Wohle unterstützen und versorgen sollte.

So klagte der Jüngling mit erhobenen Armen um seine verehrten und geliebten Eltern. Doch Savitri wischte ihm die Tränen aus den Augen und sprach:
Wenn ich je enthaltsam war, wohltätige Gaben verschenkte und Opfer ausführte, so möge diese Nacht meinen Schwiegereltern und meinem Ehemann zum Guten gereichen. Ich kann mich nicht erinnern, je etwas Falsches gesagt zu haben, nicht einmal im Scherz. So möge kraft dieser Tugend meinen Schwiegereltern das Leben erhalten bleiben.

Satyavan fuhr fort:
Ich möchte meine Eltern sehen, oh Savitri, laß uns gleich aufbrechen. Ich schwöre dir, oh schöne Dame, wenn ich erfahre, daß ihnen etwas Schlimmes passiert ist, dann werde ich nicht länger leben können. Wenn du die Tugend schätzt und möchtest, daß ich lebe, dann sei es deine Pflicht, nach meinen Wünschen zu handeln. So laß uns unverzüglich zur Einsiedelei zurückkehren.

Die schöne Savitri stand auf, band ihr Haar zusammen und half ihrem Ehemann auf die Beine. Satyavan rieb sich die Glieder mit seinen Händen und blickte sich um. Als seine Blicke auf die Tasche fielen, sprach Savitri:
Morgen wirst du neue Früchte sammeln. Und ich trage die Axt, damit es für dich leichter ist.

So hängte die Dame mit den schön geformten Schenkeln die Tasche an einem Ast auf, schulterte die Axt und trat zu ihrem Gatten. Den linken Arm ihres Mannes legte sie um ihre rechte Schulter, umarmte ihn mit ihrem rechten Arm und schritt in ihrem würdevollem Gang los.

Satyavan sprach zu ihr:
Oh zarte Dame, ich kenne die Wege des Waldes. Und der Mondschein macht sie mir sichtbar. Wir haben den Pfad erreicht, den wir am Morgen nahmen, als wir die Früchte sammelten. Oh schöne Dame, geh nur immer hier weiter und habe keine Zweifel mehr. Nahe an den Palasa Bäumen dort verzweigt sich der Weg. Nimm den nördlichen Pfad. Ich fühle mich schon viel wohler und bin wieder kräftig, denn ich möchte Vater und Mutter sehen.

Mit diesen Worten strebte Satyavan eilig zur Einsiedelei.


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