Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Pativrata Mahatmya Parva – Savitri

Kapitel 292 – Savitris Geburt und Kindheit

Yudhishthira sprach:
Oh mächtiger Weiser, ich sorge mich nicht so sehr um mich, meine Brüder oder den Verlust des Königreiches. Vor allem bekümmert mich das Los der Tochter Drupadas. Als wir beim Würfelspiel mit den Hinterhältigen in Bedrängnis kamen, war sie es, die uns rettete. Nun wurde sie von Jayadratha geraubt. Hast du je von einer so keuschen und hohen Dame gehört, die Draupadi gleicht?

Markandeya antwortete:
So höre, oh Yudhishthira, wie einst der hohe Verdienst keuscher Damen in vollkommenem Maße von einer Prinzessin namens Savitri gewonnen wurde. Es lebte einmal ein König unter den Madras, der tugendhaft und sehr fromm war. Er beschenkte immer die Brahmanen, war hochbeseelt und standhaft in seinen Versprechen. Er hatte seine Sinne unter Kontrolle, war Opfern hingegeben und immer bereit zu schenken. Alle Bürger liebten ihn in Stadt und Land. Der Name dieses Herrn der Erde war Asvapati. Ihm lag das Wohl aller Wesen am Herzen. Doch der vergebende und wahrhaft sprechende Monarch mit den gezügelten Sinnen hatte keine Kinder. Als er älter wurde, machte ihn das sehr traurig. So folgte er strengen Gelübden, nahm nur einfachste Nahrung zu sich, lebte nach Brahmacharya Art und zügelte seine Sinne, denn er wünschte sich Kinder. Täglich opferte er zehntausend Gaben dem Feuer, sang Mantras zu Ehren von Savitri (auch Gayatri, der Gattin Brahmas) und aß nur wenig in der sechsten Stunde. So lebte er für achtzehn Jahre sehr enthaltsam. Nach diesen achtzehn Jahren war die Göttin Savitri mit ihm zufrieden und erschien ihm freudig in körperlicher Gestalt, indem sie dem Agnihotra Feuer entstieg.

Sie sprach:
Ich bin sehr zufrieden mit dir, oh König, mit deiner Brahmacharya Praxis, deiner Reinheit und Selbstbeherrschung, der Einhaltung deiner Gelübde und all deinen Anstrengungen und Verehrungen. So bitte nun um den Segen, den du begehrst, oh mächtiger Asvapati. Mögest du niemals und unter keinen Umständen die Tugend mißachten!

Asvapati antwortete:
Um Tugend zu erlangen, unterwarf ich mich all dieser Mühen. Oh Göttin, mögen mir viele Söhne geboren werden, die meines Geschlechts würdig sind. Wenn du mit mir zufrieden bist, oh Göttin, dann bitte ich um diesen Segen. Die Zweifachgeborenen haben mir versichert, daß in der Nachkommenschaft großer Verdienst liegt.

Die Göttin Savitri antwortete:
Ja, oh König, ich wußte bereits um deine Absicht und habe sie dem Großen Vater vorgetragen. Seine Gunst gewährt dir schon bald eine Tochter mit großer Energie auf Erden. Eine Widerrede ziemt sich nicht für dich. Und ich bin sehr erfreut, dir dieses Gebot des Großen Vaters zu überbringen.

Der König war’s zufrieden und sprach:
So sei es. Möge es bald geschehen.

Die Göttin verschwand, und der König kehrte in seine Stadt zurück, um sich wieder der gerechten Regentschaft über seine Untertanen zu widmen. Nach einiger Zeit wurde seine älteste und tugendhafte Königin schwanger. Der Embryo in ihrem Leib wuchs so prächtig heran, wie der Herr der Sterne in der hellen Monatshälfte (der zunehmende Mond). Zur rechten Zeit kam eine Tochter mit Lotusaugen zur Welt, für die der Monarch mit großen Freuden alle üblichen Zeremonien abhalten ließ. Und da sie mit Freude von der Götten Savitri wegen der viele Opfer zu ihren Ehren übergeben worden war, waren sich ihr Vater und die Brahmanen einig, sie auch Savitri zu nennen. Das Mädchen wuchs heran wie die Verkörperung der Göttin Sri und kam schon bald in die Pubertät. Die Menschen dachten beim Anblick des anmutigen Mädchens mit der schlanken Taille, den runden Hüften und dem goldenen Antlitz:
Wir haben eine Göttin empfangen.

Und von ihrer Energie, Schönheit und ihrem Glanz völlig überwältigt, wagte niemand, das Mädchen mit den Lotusaugen zu freien. Eines Tages, an einem heiligen Parva Tag, hatte Savitri gefastet, sich das Haupt gebadet, war vor die Gottheit getreten und hatte die Brahmanen um die nötigen Riten des heiligen Opfers gebeten. Dann nahm die schöne Jungfer die Blumen, die der Gottheit angeboten worden waren und ging zu ihrem hochbeseelten Vater. Seine Füße ehrend bot sie ihm die Blumen anmutig dar und trat dann mit gefalteten Händen beiseite. Bei ihrem Anblick wurde der König traurig, denn seine schöne, heiratsfähige Tochter glich einer Göttin und niemand suchte ihre Nähe.

So sprach der König:
Meine Tochter, die Zeit für deine Heirat ist gekommen. Doch niemand hat um dich gebeten. So suche dir selbst einen Gatten, der dir an Qualitäten gleicht. Hast du ihn gefunden, so berichte mir davon. Wähle, wen du wünschst. Nach reiflicher Überlegung werde ich dich ihm übergeben. Und höre die Worte, du Glücksverheißende, welche die Zweifachgeborenen rezitierten: Der Vater, welcher seine Tochter nicht verheiratet, bringt Schande über sich. Der Ehemann, welcher sich nicht mit seiner Gemahlin in ihrer fruchtbaren Phase vereint, lädt ebenfalls Schande auf sich. Und ebenso der Sohn, der seine Mutter nicht beschützt, wenn ihr Ehemann tot ist. Beachte meine Worte und suche dir einen passenden Ehemann. Und handle so, daß die Götter uns nicht tadeln.

Dann instruierte er einige Diener, seine Tochter zu begleiten und gab das Kommando für den Aufbruch. Errötend verbeugte sich Savitri vor ihrem Vater und machte sich ohne zu zögern auf den Weg, die Worte ihres Vaters beachtend. Sie bestieg einen goldenen Wagen und bereiste die entzückenden Einsiedeleien königlicher Weiser, vom alten Berater ihres Vaters begleitet. Immer ehrte sie die Füße der Älteren, verteilte Reichtum an allen heiligen Orten und reiste kreuz und quer durch die Wälder und besuchte viele Zweifachgeborene.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter