Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 281 – Suche nach Sita

Markandeya erzählte:
Rama, der ruhmreiche Nachfahre des Raghu, wurde mit seinem Bruder von Sugriva gastfreundlich versorgt und lebte eine ganze Weile an der Flanke des Malyavat Berges, über sich den blauen Himmel. Eines Nachts, als er auf den hellen Mond am wolkenlosen Himmel schaute, all die Sterne und Planeten so herrlich funkelten, und die von Lilien, Lotus und anderen Blumen duftende Brise kühle Luft zufächelte, da überkam ihn heftige Sehnsucht. Und der Gedanke, daß Sita gefangen bei den Rakshasas lebte, ließ ihn am Morgen niedergeschlagen zum heldenhaften Lakshmana sagen:
Geh, Lakshmana, und such in Kishkinda den undankbaren König der Affen auf, der sich nur gut auf seine eigenen Interessen versteht und nun in vergnügliche Zerstreuungen eingetaucht ist. Diesen vergeßlichen Kerl habe ich auf den Thron gebracht, so daß ihm nun alle Bären und Affen ihre Treue gewähren. Um seinetwillen habe ich mit deiner Hilfe Bali getötet, hier in den Wäldern von Kishkinda. Ich meine, er ist höchst undankbar und damit einer der übelsten Affen auf Erden, denn er hat mich Leidenden vergessen. Vielleicht will er sein Versprechen, achtlos und träge, nun nicht mehr erfüllen, obwohl ich ihm diesen Dienst erwiesen habe. Wenn du ihn lauwarm und in sinnliche Vergnügungen räkelnd antriffst, dann laß ihn den Pfad gehen, den Bali gehen mußte zum allgemeinen Wohl aller Wesen. Doch wenn du herausfindest, daß dieser Beste aller Affen fleißig an unserer Sache arbeitet, dann bring ihn her zu mir. Beeil dich und warte nicht länger.

Den Geboten seines Bruders und seinem Wohl immer ergeben machte sich Lakshmana auf den Weg mit Bogen und Pfeilen. Ohne Hindernisse durchschritt er das Tor von Kishkinda und wurde von Sugriva freundlich, respektvoll, ja demütig empfangen, denn der wußte, wie ärgerlich Lakshmana war. Als der unerschrockene Lakshmana dem König der Affen die Botschaft von Rama ausgerichtet hatte, antwortete ihm Sugriva mit gefalteten Händen:
Ich bin, oh Lakshmana, weder gemein oder undankbar, noch ohne jegliche Tugend. Höre, was ich alles unternommen habe, um herauszufinden, wo Sita gefangen gehalten wird. Ich habe eifrige Affen in alle Himmelsrichtungen entsandt, die innerhalb eines Monats zurückkommen sollen. Sie durchsuchen die ganze Erde mit ihren Wäldern, Bergen und Seen, Dörfern, Städten und Minen, oh Held. Nur noch fünf Nächte bleiben zu ihrer vereinbarten Rückkehr. Und dann werden du und Rama ihre Botschaften mit großer Freude anhören.

Als der kluge König der Affen diese Worte gesprochen hatte, war Lakshmana wieder besänftigt und ehrte dankend Sugriva. Dann begaben sie sich alle zu Rama, der am Fuße des Berges wartete, und Lakshmana informierte ihn über alles, was in die Wege geleitet wurde. Schon bald kehrten tausende Anführer des Affenvolkes aus Norden, Westen und Osten zurück, nur die aus Süden blieben aus. Alle Rückkehrer konnten Rama aber nur berichten, daß sie zwar die ganze Erde durchkämmt, doch weder die Prinzessin noch Ravana gefunden hatten. Und so blieb Rama nur, in seiner Trauer auf die großen Affen im Süden zu hoffen.

Nach zwei Monaten nun kamen einige Affen in großer Hast zu Sugriva und berichteten ihrem König:
Oh König, dieser Beste der Affen, Hanuman, der Sohn von Vayu, und auch Angad, der Sohn von Bali, und all ihre hervorragenden Begleiter, die du nach Süden gesandt hattest, sind auf dem Rückweg und plündern gerade die schöne und von Bali immer gehegte Obstplantage Madhuvana, die auch dir sehr am Herzen liegt.

Als Sugriva von dieser Dreistigkeit hörte, war ihm klar, das ihre Mission erfolgreich gewesen war, denn nur die Krone des Erfolgs läßt Untertanen so überschwenglich handeln. Seine Vermutung erzählte er Rama und dieser schöpfte Hoffnung, daß Sita gefunden war. Als Hanuman und die anderen sich im Garten genügend gelabt hatten, traten sie vor ihren König, der bei Rama und Lakshmana vor den Toren der Stadt geblieben war. Als Rama den Gang und das Gesicht Hanumans sah, da war er sich sicher, daß dieser Sita entdeckt und gesehen hatte. Hanuman und die anderen beugten stolz ihre Häupter vor den Dreien, und Rama berührte seinen Bogen und sprach:
Wart ihr erfolgreich? Bringt ihr mir das Leben zurück? Sichert ihr meine Herrschaft über Ayodhya, nachdem ich meinen Feind in der Schlacht geschlagen und die Tochter Janaks gerettet habe? Denn wenn die Prinzessin nicht errettet und der Feind nicht geschlagen ist, wage ich nicht zu leben, so ohne Gemahlin und bar aller Ehre.

Hanuman sprach zu ihm:
Ich bringe gute Neuigkeiten, oh Rama, denn ich habe Janakas Tochter gesehen. Nachdem wir den ganzen Süden mit all seinen Bergen, Schluchten und Wäldern durchsucht hatten, waren wir sehr müde, und entdeckten schließlich eine große Höhle. Wir traten ein und merkten, daß sie sich viele Yojanas tief erstreckte. In Ihr wuchsen Pflanzen und lebten Würmer, obwohl es ganz dunkel darin war. Wir wanderten lange darin herum, als wir plötzlich in Sonnenschein getaucht waren und einen schönen Ort erblickten, an dem die Daitya Maya lebte. Wir fanden eine Asketin mit Namen Prabhavati dort, die strenge Enthaltsamkeit übte. Sie speiste und tränkte uns, und wir erholten uns von den Strapazen. Dann folgten wir mit neuer Kraft dem Weg, den uns die Dame wies, kamen aus der Höhle wieder heraus und erblickten den salzigen Ozean und die Berge Sahya, Malaya und Dardura an seinem Ufer. Wir bestiegen den Malaya und blickten über das weite Meer, die Heimstatt Varunas, was uns verzweifeln ließ. Völlig niedergeschlagen, von Schmerzen und Hunger geplagt befürchteten wir, weder erfolgreich noch lebendig zurückzukehren. Im Wasser sahen wir hunderte Wale, Alligatoren und andere Meereswesen und so weit unsere Blicke auch schweiften, überall war nur Wasser für viele hundert Yojanas. So setzten wir uns traurig und ängstlich zusammen, und beschlossen, uns zu Tode zu hungern. Dabei sprachen wir auch vom Geier Jatayu und bemerkten bald darauf einen riesigen Vogel von erschreckender Gestalt wie ein zweiter Sohn der Vinata (wie Garuda), der allen Herzen Angst einjagte. Eigentlich war er gekommen, um uns zu fressen, doch dann sprach er zu uns:
Wer seid ihr, die ihr von Jatayu sprecht? Ich bin sein älterer Bruder Sampati, der König der Vögel. Vor langer Zeit wollten wir beide uns gegenseitig übertreffen und flogen zur Sonne. Meine Schwingen verbrannten, seine nicht. Und dies war das letzte Mal, daß ich meinen geliebten Bruder sah, diesen König der Geier. Ich fiel mit verbrannten Flügeln hinunter und landete auf diesem Berg hier, auf dem ich immer noch lebe.

So erzählten wir ihm in wenigen Worten vom Tod seines Bruders und auch davon, was dir geschah, oh Rama. Von diesen bedauerlichen Neuigkeiten zutiefst bewegt wollte Sampati Näheres wissen:
Wer ist dieser Rama? Warum wurde Sita geraubt? Und wie Jatayu getötet? Ohr ihr besten Affen, ich möchte alles ganz genau von euch hören.

So erzählten wir ihm ausführlich von deinen Absichten und auch, warum wir uns dem Hungergelübde unterwerfen wollten. Da bat uns der König der Geier, von unserer Verzweiflungstat abzulassen, und er sprach:
Ich kenne Ravana. Seine Hauptstadt ist Lanka. Ich kann sie auf der anderen Seite des Meeres in einem Tal zwischen den Trikuta Bergen sehen. Sita muß dort sein, daran zweifle ich nicht.

Da erhoben wir uns schnell und berieten, wie wir den Ozean überqueren könnten. Doch als niemand die Querung wagte, da nahm ich Zuflucht bei meinem Vater, dem Windgott, und sprang über das Meer, welches dort hundert Yojanas breit ist. Ich besiegte die Dämonen des Meeres und fand die keusche Sita in Ravanas Garten, wo sie fastete und asketische Enthaltsamkeit übte, sich nur nach ihrem Herrn verzehrte, die Haare in Locken verfilzt, der Körper mit Staub bedeckt und mager, sie selbst melancholisch und hilflos. Als ich sie an all diesen Zeichen als deine Gattin erkannte, trat ich zu ihr, als sie allein war, und sprach:
Ich bin ein Bote Ramas, oh Sita, und ein Affe, den der Windgott zeugte. Ich durcheilte die Lüfte, um dich zu finden, während Rama und Lakshmana von Sugriva, dem König der Affen beschützt, in Frieden leben. Oh Dame, Rama möchte wissen, wie es dir geht. Und auch Sugriva erkundigt sich nach deinem Wohl, denn er ist ein guter Freund. Dein Ehemann wird nun bald hier sein, und alle Affen werden ihm folgen. Vertrau mir, oh ehrenwerte Dame, ich bin ein Affe und kein Rakshasa.

Sita schien eine Weile nachzudenken und antwortete mir dann:
Aus den Worten Avindhas weiß ich, daß du Hanuman bist. Oh du mit den starken Armen, Avindha ist ein alter und geachteter Rakshasa. Er erzählte mir, daß Sugriva von Beratern wie dir umgeben ist. Mögest du nun zu Rama zurückkehren.

Dann gab mir die makellose Dame als Zeugnis dieses Juwel für dich, welches sie ihr Leben lang getragen hatte. Auch erzählte sie mir als sicheren Beweis für dich, wie du einmal mit einem Grashalm eine Krähe durchbohrtest, als ihr auf dem mächtigen Berge Chitrakuta lebtet. Dies sind alle Beweise, daß ich sie wahrlich getroffen habe und sie wirklich die Prinzessin von Videha ist. Dann ließ ich mich noch von den Soldaten Ravanas ergreifen und setzte Lanka in Brand.

Da ehrte und dankte Rama dem Überbringer der guten Nachrichten, der nach all diesen Abenteuern sicher zurückgekommen war.


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