Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 279 – Freundschaft mit Sugriva und Trost für Sita

Markandeya sprach:
Als Rama an den See Pampa kam, da erinnerte ihn die sanfte, kühle und duftende Brise an seine geliebte Gemahlin und der Kummer überwältigte ihn. Der Schmerz, von ihr getrennt zu sein, ließ ihn klagen und nicht weitergehen. Doch Lakshmana besänftigte ihn:
Oh du, der du allen Würdigen deinen Respekt zollst, es ziemt sich nicht für dich, daß Mutlosigkeit dich beherrscht, so wie Krankheit keinen alten Mann heimsucht, der ein geregeltes Leben führt. Du weißt nun von Ravana und Sita. So bemühe dich und sei klug, sie zu befreien. Laß uns Sugriva suchen, diesen Besten der Affen, der auf dem Bergesgipfel lebt. Beruhige dich, denn ich, dein Schüler, Diener und Freund bin bei dir.

Nach und nach faßte Rama wieder Mut und konzentrierte sich auf die Aufgabe, die vor ihm lag. Er badete im See Pampa, opferte seinen Ahnen und dann wanderten die heldenhaften Brüder weiter zum Rishyamuka. Auf diesem Berg, der an Früchten, Bäumen und Wurzeln reich war, entdeckten sie die fünf Affen auf dem Gipfel. Sugriva sandte den klugen und gewaltigen Hanuman, die Fremden zu empfangen. So sprachen die Brüder erst mit Hanuman und trafen dann auf Sugriva, mit dem sie Freundschaft schlossen. Als Rama von seinen Absichten erzählte, zeigte ihm Sugriva das gelbe Kleidungsstück, welches Sita fallen gelassen hatte auf ihrem Flug mit Ravana durch die Lüfte. Da erhob Rama Sugriva, diesen Besten aller Affen, zum Herrscher über alle Affen der Erde und versprach, Bali in der Schlacht zu besiegen. Und Sugriva versprach seinerseits, Sita zurückzubringen. So vertrauten sie einander voll und ganz und gingen nach Kishkinda, um mit Bali zu kämpfen. Dort angekommen, ließ Sugriva seinen laut dröhnenden Schlachtruf ertönen. Die Herausforderung annehmend, eilte Bali aus seinem Palast, doch seine Frau Tara stellte sich ihm in den Weg und sprach:
Zwar ist auch er sehr stark, doch an seinem Gebrüll merke ich, daß Sugriva Unterstützung gefunden hat. Geh nicht hinaus!

Da fragte König Bali mit der goldenen Girlande seine schöne Tara:
Du kennst die Stimmen aller Kreaturen. Sag mir nach reiflicher Überlegung, wer diesem hilft, der mein Bruder nur dem Namen nach ist.

Die weise und wie der Mond strahlende Tara antwortete ihrem Herrn gedankenvoll:
Höre auf mich, oh Monarch aller Affen. Es ist Rama, der mächtige Bogenkrieger, Sohn des Dasaratha, dessen Gemahlin geraubt wurde, der sich mit Sugriva verbündet hat. Sein Bruder Lakshmana mit den starken Armen, der unbesiegte Sohn der Sumitra, steht ihm bei, um Sugrivas Erfolg zu sichern. Auch Mainda, Dwivida, Hanuman, der Sohn des Windgottes Vayu, und Jambavan, der König der Bären, folgen ihm treu. All diese Ruhmreichen sind äußerst entschlossen, klug und mächtig. Und sie vertrauen auf die Macht und Energie Ramas, um dich zu vernichten.

Doch der König der Affen achtete nicht die wohlwollenden Worte und mit eifersüchtigem Herzen meinte er sogar, Tara hätte ihr Herz an Sugriva verloren. So wies er sie barsch zurück, verließ seine Behausung und stellte sich Sugriva, der am Berg Malyavat stand. Dort sprach er zu ihm:
Schon oft habe ich dich besiegt und dir gestattet zu entfliehen, weil du mein Bruder bist und dir dein Leben lieb war. Was läßt dich nun erneut nach dem Tode lechzen?

Doch Sugrivas bedeutende Antwort richtete sich mehr an Rama, damit dieser erführe, was geschehen war:
Oh König, du hast mir meine Ehefrau und mein Königreich geraubt. Wozu dient mir nun noch mein Leben? Das ist es, wofür ich herkam.

So stritten sie noch eine Weile mit Worten hin und her und begannen schließlich einen heftigen Kampf mit Sala und Tala Bäumen und Felsbrocken. Sie schlugen sich gegenseitig zu Boden, dann sprangen sie hoch in die Luft und boxten aufeinander ein. Mit ihren Nägeln und Zähnen brachten sie sich gegenseitig heftig blutenden Wunden bei und strahlten so rot wie ein Paar blühende Kinshukas (Palashas). Und wie die beiden fochten, da war kein Unterschied zwischen den Brüdern zu erkennen. So warf Hanuman um Sugrivas Nacken eine frische Blumengirlande, mit welcher der Held so schön und groß erschien, wie der Gipfel des Malaya mit einem Gürtel aus Wolken. Durch dieses Zeichen erkannte Rama seinen Freund, spannte seinen vorzüglichen Bogen und zielte auf Bali. Als die Bogensehne schallend den Pfeil entließ, da klang es wie das Donnergrollen. Bali wurde ins Herz getroffen und zitterte bis ins Mark. Er spie Blut, fiel zu Boden und sah vor sich Rama und Lakshmana stehen. Bevor ihm die Sinne schwanden, tadelte er Rama aus dem Geschlecht des Kakuthsta. Tara trauerte um ihren mondgleich strahlenden Gatten auf dem blanken Boden. Doch Sugriva hatte mit dem Sieg über Bali das Königreich Kishkinda zurückerobert und mit ihm die schöne Witwe Tara mit dem zauberhaften Gesicht wie der volle Mond. Rama lebte an der schönen Bergesflanke des Malyavat für vier Monate und wurde in dieser Zeit von Sugriva hoch geehrt.

In der Zwischenzeit hatte der wollüstige Ravana Sita in seinem Asoka Hain untergebracht, welcher dem Nandana Garten glich. Dort lebte Sita von Früchten und Wurzeln, übte strengste Askese, kleidete sich einfach und wurde Tag für Tag schmaler aus Trauer um ihren abwesenden Herrn. Ravana hatte viele Rakshasa Frauen zu ihrer Bewachung befohlen, die mit bärtigen Pfeilen, Schwertern, Lanzen, Streitäxten, Keulen und Flammenbränden drohten. Manche von ihnen hatten ein Auge auf der Stirn, andere zwei oder auch drei Augen. Manche ließen lange Zungen hängen, andere hatten gar keine. Manchen waren drei Brüste gewachsen und manchen nur ein Bein. Einige trugen drei verfilzte Zöpfe auf ihrem Kopf und andere starrten durch nur ein Auge. Tag und Nacht standen sie um Sita mit ihren brennenden Augen und dem steifen, pelzigen Haar und bewachten die Schöne. Die schrill sprechenden Pisacha Frauen mit den schrecklichen Gesichtern drohten der schönäugigen Sita immerzu mit groben Worten, wie:
Laßt sie uns auffressen, sie zerfleischen und in Stücke reißen, denn sie lebt hier und mißachtet unseren Herrn.

Traurig seufzend und beständig an ihren Ehemann denkend antwortete Sita ihnen:
Verehrte Damen, eßt mich nur gleich auf. Denn ohne meinen lotusäugigen Gatten mit dem lockigen Haar und der dunklen Haut möchte ich nicht länger leben. Ich werde wahrlich ohne Nahrung und ohne Liebe im Leben meine Glieder abhärmen, wie eine Schlange im Tala Baum, wenn sie Winterschlaf hält. Nehmt es nur als sicher an, ich werde niemals die Zuflucht zu einem anderen als meinen Ehemann nehmen, dem Nachfahren des Raghu. So tut, was ihr für richtig haltet.

Die Wächterinnen mit den schrillen Stimmen berichteten ihrem König Ravana Sitas Worte. Und während sie fort waren, beruhigte eine der Rakshasis mit Namen Trijata die Prinzessin mit tugendhafter und angenehmer Rede:
Höre, oh Sita. Ich werde dir etwas sagen, und glaube mir, du liebe Freundin. Oh du mit den schönen Hüften, laß alle Ängste fahren und höre mir zu. Es gibt da einen alten und klugen Rakshasa Anführer namens Avindha. Er ist Rama wohlgesonnen und hat mir um deinetwillen folgende Worte gesagt: „Besänftige und beruhige sie, und sag Sita in meinem Namen: Rama geht es gut und Lakshmana ist dienend an seiner Seite. Die beiden haben Freundschaft mit Sugriva geschlossen, dem König der Affen, und sind auf dem Weg, für dich zu kämpfen. Oh zarte Dame, nähre keine Angst wegen Ravana, den die ganze Welt tadelt. Denn wegen Nalakuvaras Fluch (der Sohn von Kuvera) bist du sicher vor ihm.“ Ja, Ravana wurde einst verflucht, denn er vergewaltigte seine Schwiegertochter Rambha. Der wollüstige Lump kann daher keiner Frau mehr Gewalt antun. Dein Gatte wird bald hier sein und dich mithilfe des klugen Lakshmana und von Sugriva beschützt befreien. Oh Dame, ich hatte einen furchtbaren Traum voller böser Omen, welche den Fall des übelgesinnten Ravana aus dem Geschlecht des Pulastya anzeigten. Der Wanderer der Nacht ist wahrlich hinterhältig und grausam und hat viel Niederes getan. Das Leidbringende in seiner Natur und die Bosheiten in seinem Verhalten säen in allen Herzen Angst und Schrecken. Vom Schicksal aller Vernunft beraubt hat er sogar die Götter herausgefordert. In meiner Vision habe ich alle Zeichen seines Niedergangs gesehen. Ich habe den Zehnköpfigen mit geschorenem Scheitel gesehen, den Körper mit Öl beschmiert, in Schlamm versunken, und im nächsten Moment tanzte er auf einem Wagen, den Esel zogen. Ich habe Kumbhakarna und andere nackt und mit geschorenem Scheitel gesehen, mit Blumenkränzen und Duftsalben bedeckt, wie sie gen Süden (ins Reich Yamas) eilten. Nur Vibhishan glänzte mit dem (königlichem) Schirm über seinem Haupt, dem Turban geziert und den Körper mit weißen Blumen und Düften geschmückt. Er bestieg den Gipfel des Weißen Berges. Vier seiner Berater sah ich auch, ganz in Weiß, welche ihn begleiteten. Das alles verkündet mir, daß nur die fünf von der kommenden Katastrophe verschont werden. Die ganze Erde mit ihren Meeren wird von Ramas Pfeilen eingehüllt werden und sein Ruhm wird alles überstrahlen. Ich sah auch Lakshmana, wie er alles mit seinen Pfeilen verbrannte, die Berge von Knochen erklomm und dort droben Honig und in Milch gekochten Reis zu sich nahm. Dich, oh Dame, sah ich weinend und mit Blut bedeckt nach Norden laufen, und ein Tiger beschützte dich. Oh Prinzessin von Videha, schon bald wirst du wieder glücklich sein und mit deinem Herrn vereint, den sein Bruder begleitet.

Als das junge Mädchen mit den Augen einer Gazelle den Worten Trijatas lauschte, da schöpfte sie neue Hoffnung, bald wieder bei ihrem Gatten zu sein. Und als die grausamen Pisacha Wächterinnen zurückkamen, saß sie mit Trijata beisammen wie zuvor.


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