Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 251 – Duryodhana bei den Danavas

Die Danavas sprachen:
Oh großer König Duryodhana, du Fortführer deiner Rasse, du bist immer von Helden und ruhmreichen Männern umgeben. Warum hast du solch voreiliges Gelübde abgelegt, dich zu Tode zu hungern? Der Selbstmörder sinkt immer in die Hölle und wird zum Gegenstand verleumderischer Rede. Intelligente Menschen wie du benutzen ihre Hand niemals für sündige Taten, die ihrem Besten entgegenstehen und die Wurzel all ihrer Interessen ausreißen. Zieh deinen Entschluß zurück, denn er überwirft sich mit Moral, Gewinn, Glück, Ruhm, Heldentum und Energie und vermehrt nur die Freude deiner Feinde. Oh hoher König, erkenne die Wahrheit, den himmlischen Ursprung deiner Seele und den Schatz deines Körpers, und ruf die Geduld zu deiner Hilfe. Vor langer Zeit erhielten wir dich durch asketische Enthaltsamkeit von Maheshvara (Shiva). Der obere Teil deines Körpers ist eine Ansammlung von Vajras (Donnerkeilen) und unverwundbar für Waffen aller Art, oh Sündenloser. Der untere Teil deines Körpers verzaubert die Herzen der Frauen durch seine Schönheit, denn er wurde von der Göttin selbst aus Blumen geschaffen. Und so ist dein Körper eine Schöpfung von Maheshvara und seiner Gemahlin. Du bist himmlischen Ursprungs, oh Tiger unter den Königen, und kein gewöhnlicher Mensch. Tapfere und mächtige Kshatriyas, wie Bhagadatta werden mit himmlischen Waffen deine Feinde schlagen. So möge dein Kummer vergehen. Du hast keinen Grund zur Angst. Um dir zu helfen, wurden viele heldenhafte Danavas auf Erden geboren. Asuras werden Bhishma, Drona und Karna in Besitz nehmen, so daß sie ohne alle Nachsicht mit deinen Feinden kämpfen. Von den Asuras ganz und gar in Besitz genommen, werden sie alles Mitgefühl weit von sich schieben, ihre Herzen verhärten und jeden in der Schlacht töten, der ihnen im Wege steht, ohne ihre Söhne, Brüder, Väter, Freunde, Schüler, Verwandte und sogar Kinder und alte Männer zu schonen. Von Ignoranz und Zorn verblendet werden sie dem Schicksal folgen, welches der Schöpfer ihnen bestimmt hat, und mit in Sünde getauchten Herzen die Erde entvölkern mit großer Entschlossenheit, Stärke und allen Arten von Waffen, wobei sie nicht aufhören werden, sich untereinander prahlerische Worte zuzurufen, wie: „Du wirst mir nicht mit dem Leben davonkommen!“. Und die fünf ruhmreichen Pandavas werden gegen sie kämpfen. Doch mit großer Kraft und vom Schicksal begünstigt, werden sie diese Gegner vernichten. Viele, viele Daityas und Rakshasas werden als Kshatriyas geboren in deiner Armee mit großer Entschlossenheit deine Feinde bekämpfen: mit Keulen, Schlagstöcken, Lanzen und allen anderen vorzüglichen Waffen. Oh Held, wir wissen um deine Angst vor Arjuna und haben schon die Mittel für Arjunas Niederlage ersonnen. Die Seele des erschlagenen Naraka hat die Gestalt Karnas angenommen. Die frühere Feindschaft wird ihn sowohl Krishna als auch Arjuna angreifen lassen. Dieser mächtige und stolze Krieger ist sehr wohl in der Lage, Arjuna im Kampf zu vernichten. Doch dies weiß auch Indra, der Träger des Donners, und um Arjuna zu retten, wird er sich verkleiden und Karna Ohrringe und Rüstung wegnehmen. Daher werden wir hunderte und tausende Daityas und Rakshasas namens Samsaptakas (Soldaten, die geschworen haben, zu siegen oder zu sterben) aussenden, und diese gefeierten Helden sollen Arjuna schlagen. Darum traure nicht, oh König. Du sollst die Erde ohne einen Rivalen regieren. Verzage nicht und verhalte dich angemessen. Wenn du stirbst, oh König, wird unsere Seite schwach. So geh, großer Held, und richte deinen Geist auf diese Handlung. Du bist stets unsere Zuflucht, so wie die Pandavas die Zuflucht der Götter sind.

Dann umarmten die Daityas diesen Elefanten unter den Königen und munterten den Unbezähmbaren wie einen Sohn auf. Sie besänftigen seine Gedanken mit lieben Worten und gestatteten ihm den Abschied: „Geh und siege!“ So trug ihn die Göttin zurück an den Ort, an dem er beschlossen hatte zu sterben, grüßte ihn und nahm Abschied. Als sie verschwunden war, meinte Duryodhana, dies alles geträumt zu haben und dachte bei sich:
Ich werde die Pandavas in der Schlacht besiegen.

Er war nun überzeugt, daß Karna und die Samsaptaka Armee völlig fähig und entschlossen waren, Arjuna zu vernichten. So stärkte sich wieder die Hoffnung des niedriggesinnten Sohnes Dhritarashtras, die Pandavas trotz allem zu besiegen, doch er erzählte niemandem davon. Zur selben Zeit beschloß Karna, vom Daitya Naraka besessen, auf grimmigste Weise Arjuna zu töten. Dasselbe widerfuhr den von Rakshasas besessenen Samsaptakas unter dem Einfluß der Eigenschaften von Leidenschaft und Dunkelheit. Nur Bhishma, Drona und die anderen neigten sich unter dem Einfluß der Rakshasas nicht gegen die Pandavas.

Nachdem die Nacht vorüber war, bat Karna noch einmal sanft, weise und mit gefalteten Händen seinen König:
Oh Duryodhana, noch nie hat ein toter Mann seine Feinde besiegt. Nur der Lebende kann für sein Wohl sorgen. Was ist das Gute an einem toten Menschen, und wo ist der Sieg? Es ist niemals die Zeit für Sorge, Angst oder Tod.

Dann umarmte er den Mächtigen und sprach weiter:
Erhebe dich, oh König, warum liegst du darnieder? Worum bekümmerst du dich? Du hast deine Feinde bereits mit deiner Macht getroffen, warum wünschst du dir den Tod? Hat dich vielleicht Furcht ergriffen, als du Zeuge von Arjunas Heldenmut wurdest? Oh ich schwöre dir aufrichtig, daß ich Arjuna in der Schlacht schlagen werde. Ich gelobe bei meinen Waffen, oh Herr der Menschen, daß ich die Söhne Prithas unter deine Herrschaft bringen werde, wenn die dreizehn Jahre vorüber sind.

Und Duryodhana erhob sich bei den Worten Karnas, denn er erinnerte sich gut an die Rede der Daityas und die Bitten seiner Brüder. Mit festem Entschluß im Herzen gab er seiner Armee das Kommando zum Aufbruch. Und sein Heer wimmelte nur so von weißen Schirmen, bunten Fahnen, weißen Chamaras (Wedeln), Streitwagen, Elefanten, Pferden und Fußsoldaten, die sich wie die Wasser der Ganga bewegten, und so schön wie das Firmament waren, wenn sich am frühen Herbsthimmel die Wolken zerstreuen. An vorderster Front ritt Duryodhana mit Karna und Shakuni, von den besten Brahmanen wie ein großer Monarch gelobt und mit Sieg gesegnet, und alle Ehren von zahlreich gefalteten Händen strahlend entgegennehmend. Ihm, diesem Tiger unter den Königen, folgten all seine Brüder mit Dushasana, Bhurisravas, Somadatta und dem mächtigen König Bahika nach, die auf prächtigen Wagen, edlen Rossen und den besten Elefanten ritten. Und in kürzester Zeit ritten die Kurus mit allem Prunk in die Hauptstadt ein.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter