Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 200 – Über die Wohltätigkeit

Als nächstes fragte König Yudhishthira:
Oh großer Muni, erklär mir, unter welchen Umständen man Wohltätigkeit üben sollte, damit man zu den Bereichen Indras Einlaß erlangt? Sollte man Wohltätigkeit üben, wenn man ein häusliches Leben führt, oder im Knabenalter, als Jüngling oder alter Mann? Oh erzähl mir von den entsprechenden Verdiensten, welche man in den unterschiedlichen Lebensphasen aufgrund von Wohltätigkeit erntet.

Markandeya antwortete:
Es gibt vier Arten von fruchtlosem Leben und sechzehn Arten von unnützer Wohltätigkeit. Wer keinen Sohn hat oder ohne jeglichen Schimmer von Tugend ist, dessen Leben ist vergebens. Ebenso, wer von der Nahrung anderer lebt und für sich selbst kocht, ohne den Pitris, Göttern und Gästen davon abzugeben und als erster ißt. Die wohltätige Gabe an einen, der von tugendhaften Gelübden abgefallen ist oder auch die Gabe, die auf unaufrichtige Weise errungen wurde, sind beide vergebens. Die Gabe an einen gefallenen Brahmanen, Dieb oder falschen Lehrer ist auch vergebens. Ebenso die Gabe an einen unehrlichen oder sündigen Menschen, an einen Undankbaren, an einen, der Opferdienste für allen Klassen von Menschen in einem Dorf anbietet, an einen, der die Veden verkauft, an einen Brahmanen, der für Shudras kocht, und an einen als Brahmane Geborenen, welcher aber den Beschäftigungen seiner Kaste nicht nachkommt. Auch die Gabe an einen, der ein Mädchen vor der Pubertät heiratet, an Frauen, an solche, die sich mit Schlangen vergnügen oder in niederen Diensten stehen, ist vergebens. Diese sechzehn Arten der wohltätigen Gabe sind ohne allen Verdienst. - Wer aus Angst oder Furcht mit verdunkeltem Geist schenkt, wird sich höchstens im Mutterleib am Verdienst solcher Gaben erfreuen. Der Mensch aber, welcher (freimütig und heiter) Brahmanen beschenkt, der wird sich an dessen Früchten noch als alter Mann erbauen. Wer sich also den Himmel gewinnen möchte, sollte unter allen Umständen Brahmanen mit allem beschenken, was er nur weggeben kann.

Yudhishthira fragte:
Auf welche Weisen retten Brahmanen sich und andere, wenn sie Gaben von allen vier Kasten annehmen?

Markandeya antwortete:
Durch Japa (das stille Rezitieren von z.B. Mantras oder Gottesnamen), Mantras, Homa und das Studium der Veden bauen sich Brahmanen ein vedisches Boot, mit dem sie sich und andere retten. Die Götter selbst sind mit dem zufrieden, der Brahmanen erfreut. Tatsächlich kann ein Mensch in den Himmel kommen, wenn ein Brahmane es wünscht. Du, oh König, wirst mit Sicherheit in die ewigwährenden Regionen der Glückseligkeit gelangen, denn du verehrst die Ahnen, Götter und Brahmanen, obwohl dein Körper mit Schwermut erfüllt und außerdem noch träge und unbeweglich ist. Wer sich Tugend und Himmel ersehnt, sollte Brahmanen verehren. Brahmanen sollten zu Zeiten des Sraddha sorgsam gespeist, doch die gefallenen oder verfluchten unter ihnen sollten ausgeschlossen werden. Auch die außerordentlich Schönen oder Dunklen sollten nicht bewirtet werden, nebst denen mit verformten Nägeln, den Aussätzigen und Betrügern, den von Witwen oder verheirateten Frauen mit noch lebenden Ehegatten unehelich Geborenen und denen, die sich mithilfe von Waffen selbst ernähren. Ein tadelnswertes Sraddha verschlingt den Opfernden wie ein Feuer das Öl verschlingt. Werden Taube, Blinde oder Stumme in einem Sraddha beschäftigt, dann sollten ihnen vedenkundige Brahmane zur Seite gestellt werden.

Oh Yudhishthira, höre nun, wem du Almosen geben solltest:
Wer all die Veden kennt, sollte nur dem fähigen Brahmanen geben, der in der Lage ist, sowohl den Gebenden als auch den Beschenkten zu retten. Nicht einmal die Freude am heiligen Feuer, oh Sohn der Pritha, in welches geklärte Butter, Blumen, Sandel und andere edel duftende Pasten geopfert werden, kann sich nicht mit der Freude messen, die aus der Bewirtung von Gästen kommt. Behandle deine Gäste immer bestens, oh Sohn des Pandu. Wer seinen Gästen Wasser zum Waschen der Füße, Öl zum Einreiben der Gliedmaßen, Licht in den dunklen Stunden, Essen und Zuflucht gewährt, muß nicht vor Yama treten. Das Wegräumen der Blumen und Essensreste der Brahmanen nach dem Opfer, das Aufwarten mit duftenden Salben und das Säubern der Glieder eines Brahmanen gibt jedes einzeln für sich mehr Verdienst, als das Schenken von Kühen. Sich selbst rettet man, in dem man eine mit Ornamenten geschmückte Kapila Kuh an einen Brahmanen verschenkt. Nun, oh Nachkomme des Bharata, man sollte Menschen edler Abstammung geben, auch Vedenkundigen, Armen, häuslich Lebenden mit der Last von Frau und Kindern, denen, die das heilige Feuer täglich verehren und denen, die dir dienen. All denen sollst du geben, doch nicht, wenn sie bereits im Reichtum schwimmen. Denn welchen Verdienst bringt es, wenn man einem Reichen gibt? Eine Kuh paßt für einen Brahmanen, aber nicht für mehrere. Denn wenn die Kuh, die man an mehrere Brahmanen gibt, dann verkauft wird, ist die Familie des Gebenden für drei Generationen verloren. Solch eine Gabe rettet weder den Gebenden noch den Brahmanen, der sie annimmt. Wer achtzig Ratis reinsten Goldes verschenkt, gewinnt für immer den Verdienst des Gebens von hundert Goldstücken. Wer einen starken Ochsen verschenkt, der auch den Pflug ziehen kann, der ist ganz sicher von allen Schwierigkeiten errettet und geht in den Himmel ein. Wer einem gelehrten Brahmanen Land gibt, hat sich alle seine Wünsche erfüllt. Wenn der müde, schmutzbeschmierte Wanderer nach einem Namen fragt, der ihm Essen geben kann, dann wird der Weise, der ihm diesen Namen sagt als ebenbürtig im Verdienst angesehen wie der, welcher tatsächlich das Essen gibt. Also, laß alle anderen Geschenke sein und gib Nahrung. Kein Verdienst ist größer als der, der aus dem Geben von Nahrung kommt. Wer nach seinem Vermögen einem Brahmanen gut gekochtes und reines Essen gibt, erlangt die Gesellschaft von Prajapati (Brahma). Nichts ist höher als Nahrung. Sie wird als die beste und erste Gabe erachtet. Man sagt sogar, Nahrung ist Prajapati selbst. Denn Prajapati wird als das Jahr betrachtet, das Jahr als das Opfer, und im Opfer gründet sich alles, denn aus dem Opfer kommen alle Kreaturen. Deswegen ist Nahrung das Beste. Wer Seen, Teiche, Wasserstellen, Quellen, Unterkunft, Essen und liebe Worte an alle verschenkt, wird nicht den Schuldspruch Yamas hören müssen. Wer mit seiner Arbeit Reichtümer gewinnt und Reis und Schätze an einen Brahmanen mit gutem Betragen gibt, mit dem ist die Erde zufrieden. Über ihm schüttet sie noch mehr Schätze aus. Der Geber von Nahrung schreitet voran, nach ihm der Sprecher von Wahrheit und dann derjenige, der sogar Menschen gibt, die nicht bitten. Doch alle Drei gehen zum selben Ort.

Über Yamas Bereich

Neugierig fragte da Yudhishthira:
Oh hochbeseelter Muni, wie weit liegt Yamas Region von der der Menschen entfernt? Wie ist ihre Ausdehnung? Wie gelangen die Menschen hinüber? Und mit welchen Mitteln? Oh, erklär mir all dies.

Markandeya erwiderte:
Oh König, du Tugendhaftester unter den Menschen, deine Frage ist Teil eines großen Mysteriums, welches heilig ist und von den Rishis sehr gelobt wird. Doch da es auch zur Tugend gehört, werde ich dir davon erzählen. Die Entfernung zwischen Yamas Reich und dem der Menschen beträgt sechsundachtzigtausend Yojanas. Der Weg führt durch einen Raum ohne Wasser und ist gräßlich anzusehen. Nirgends ist eine Straße oder der Schatten eines Baumes. Es gibt keinen Ruheplatz für den erschöpften Wanderer weit und breit. Männer und Frauen, ja alles, was auf Erden Leben hat, wird von den Boten Yamas, diesen Wesen, welche die Befehle des strengen Königs befolgen, gewaltsam auf diesem Weg getrieben. Wer zuvor Brahmanen gute Fuhrwerke oder Pferde geschenkt hat, der reist den Weg auf ebendiesen Reittieren oder Wagen. Wer Sonnenschirme gegeben hat, kann sich nun mit Schirmen vor den brennenden Sonnenstrahlen schützen. Wer Nahrung und Trank verschenkt hat, reist ohne zu hungern oder zu dürsten. Wer Kleidung weggegeben hat, wandert in Roben, wer nicht, muß nackt gehen. Wer Gold verschenkt hat, reist frohen Sinnes und mit Ornamenten geschmückt. Wer Land gegeben hat, geht den Weg mit allen seinen Wünschen vollkommen erfüllt. Wer Licht verschenkt hat, wandert leichten Herzens auf beleuchtetem Weg. Wer Kühe gegeben hat, reist fröhlich und aller Sünde bar. Wer für einen Monat gefastet hat, fährt in von Schwänen gezogenen Wagen. Wer für sechs Nächte gefastet hat, wird in seinem Wagen von Pfauen gezogen. Selbst wer nur für drei Nächte gefastet hat, indem er nur eine Mahlzeit pro Nacht zu sich nahm, der geht in eine Region ohne alle Krankheit und Angst ein, oh Sohn des Pandu. Wasser hat die vorzügliche Eigenschaft, daß es Frohsinn hervorbringt in Yamas Reich. Wer je Wasser gegeben hat, findet für sich in Yamas Reich einen Fluß namens Pushpodaka und trinkt kühles Ambrosia aus diesem Strom. Doch wer nur üble Taten vollbrachte, für den ist Eiter vorgesehen. So dient der Fluß allen Zwecken, oh großer König.

Drum ehre du die Brahmanen an deiner Seite. Wer mit matten Gliedern und staubbedeckt nach langem Weg um einen Namen bittet, der ihm Essen geben mag, der geht dann mit großer Hoffnung zu dem ihm benannten Haus. Ehre ihn mit Aufmerksamkeit, denn er ist Gast und Brahmane. Die Götter mit Indra an ihrer Spitze folgen ihm auf seiner Wanderung. Wird er geehrt, sind die Götter zufrieden. Wird er mißachtet, werden die Himmlischen trübsinnig. Drum ehre die Brahmanen, oh bester König. Ich habe nun schon über hundert Dinge zu dir gesprochen. Was möchtest du noch hören?

Yudhishthira sprach:
Oh Meister, du bist versiert in Tugend und Moral, ich möchte dir nur immer wieder zuhören, wenn du von heiligen Dingen erzählst.

Verdienst für dies und das

Markandeya sprach:
Oh König, dann erzähle ich dir etwas ewig Heiliges, was in der Lage ist, alle Sünden abzuwaschen. Höre mir gespannt zu, oh Bester der Bharatas. Es gibt gleichen Verdienst, wenn man eine Kapila Kuh verschenkt oder einem Brahmane in der Tirtha Jeshtha- Pushkara die Füße wäscht. Solange es auf der Erde Wasser gibt, welches Brahmanen mit ihren Füßen berühren, solange trinken die Ahnen Wasser aus Lotus- Bechern. Wird der Gast willkommen geheißen, freut das die Gottheit des Feuers. Bietet man ihm einen Sitz an, ist der Gott der hundert Opfer zufrieden. Wäscht man seine Füße, sind die Pitris entzückt, und wenn man ihn speist, freut sich Prajapati. Eine Kuh sollte mit gesammeltem Geist gewidmet werden, wenn während ihrer Wehen vom Kalb Kopf und Füße zu sehen sind. Rutscht das Kälbchen gerade aus der Gebärmutter und berührt noch nicht die Erde, dann ist die Kuh der Erde ebenbürtig. (Wer in diesem Moment, wenn also die Geburt noch nicht abgeschlossen ist, die Kuh widmet, gewinnt sich daher den Verdienst des Schenkens von Land.) Wer die Kuh auf diese Weise verschenkt, wird im Himmel für so viele tausend Yugas verehrt, wie sowohl Kuh als auch Kalb Haare am Körper haben. Wer eben etwas geschenkt bekommen hat, und es gleich weitergibt an einen Tugendhaften und Aufrechten, der erntet so großen Verdienst, als ob er die ganze Erde weggegeben hat mit allen Ozeanen, Teichen, Höhlen, Bergen, Wäldern und Feldern. Der Brahmane, welcher still, mit den Händen zwischen seinen Knien und von einem Teller ißt, wird andere retten können. Auch die Brahmanen können anderen helfen, welche sich vom Trinken fernhalten, denen keinerlei Fehler nachgesagt werden und die täglich die Samhitas lesen. Opfergaben von geklärter Butter und Speisen sollten vedengelehrten Brahmanen immer angeboten werden. So wie das Opfern von geklärter Butter ins Feuer niemals vergebens ist, so sind Gaben an tugendhafte und vedengelehrte Brahmanen niemals vergebens. Brahmanen meiden Waffen und kämpfen niemals mit Eisen oder Stein. Sie schlagen ihre Feinde mit ihrem Zorn wie Indra die Asuras mit seinem Donner. Nun, dies sei genug über Tugend und Moral. Als (einst) die Munis des Naimisha Waldes diese Belehrung hörten, waren sie höchst entzückt. Die Asketen waren von Kummer, Angst und Ärger befreit, als sie diesen Worten lauschten. Sie wurden auch alle ihre Sünden los. Und die menschlichen Wesen, oh König, welche diesen Worten aufmerksam lauschen, werden vom Zwang der Wiedergeburt befreit.

Yudhishthira fragte:
Oh du Weiser, welcherart Reinigung gibt es für einen Brahmanen, damit er sich selbst immer reinhalten kann? Das möchte ich von dir tugendhaftem Mann hören.

Über Gayatri und die Reinheit

Markandeya antwortete:
Es gibt drei Arten der Reinheit, nämlich Reinheit der Rede, der Taten und durch Gebrauch von Wasser. Wer sich an diese drei Arten hält, gewinnt sich zweifellos den Himmel. Der Brahmane, welcher morgens und abends die Göttin Sandhya (die Dämmerung, welche Tag und Nacht verbindet) verehrt und die Göttin Gayatri, die Mutter der Veden, meditativ rezitiert (lit.: Om, Erde, Firmament und Himmel. Ich meditiere über das verehrungswürdige Licht der Gottheit, die das alles erschuf und unsere Vernunft leitet.), wird von Gayatri geheiligt und von allen Sünden gereinigt. Selbst wenn er dann die ganze Erde nebst den Meeren als Geschenk annehmen würde, überkäme ihn kein Unglück. Und wenn die Planeten, Sterne und die Sonne ihm Ungunst verheißen würden, so würden sie doch gleich wieder Glück und Gunst spenden bei solchem Betragen. Schreckliche Rakshasas mit furchtbaren Gesichtern und gigantischen Körpern, die sich von tierischem Fleisch ernähren, sind nicht in der Lage, über einen Brahmanen zu herrschen, welcher solche Reinigung praktiziert. Solch ein Brahmane ist wie loderndes Feuer. Er verletzt nicht, wenn er lehrt, opfert oder von anderen Gaben annimmt.

Doch egal, ob Brahmanen die Veden kennen oder nicht, ob sie rein sind oder nicht – niemals sollten sie gekränkt werden, denn sie gleichen einer Flamme. Und die Flamme, welche zur Einäscherung der Toten lodert, wird auch nicht als unrein bezeichnet, wie eben auch ein wissender oder unwissender Brahmane. Er ist ein Gott und sogar ein hoher Gott. Städte mit Wällen und Zinnen, Palästen und Toren verlieren alle Schönheit ohne Brahmanen. Ja, mit vedenkundigen Brahmanen, welche die Pflichten ihrer Kaste ausüben und asketischen Verdienst besitzen, wird jeder Ort zur Stadt, sei es auch Wald oder Weide. Wo ein kundiger Brahmane wohnt, wird der Ort zur Tirtha. Wer vor einen Schutz anbietenden König tritt oder einen asketischen Brahmanen und beiden Respekt zollt, der kann sogleich von seinen Sünden reingewaschen werden. Die Gelehrten sagen, daß rituelle Waschungen in heiligen Tirthas, Rezitationen der Namen von Heiligen und der Umgang mit Guten und Tugendhaften alles lobenswerte Handlungen sind. Die Tugendhaften und Aufrechten erachten sich immer als geheiligt durch die heilige Gesellschaft von ihresgleichen und das reinigende Wasser der heilsamen Belehrung. Das Tragen das dreifachen Stabes (symbolisch für die Kontrolle von Gedanken, Worten und Taten), das Schweigegelübde, verfilztes Haar auf dem Haupt, der geschorene Scheitel, den Körper mit Hirschfell und Bast bedeckt, rituelle Waschungen, die Verehrung des Feuers, das Leben in den Wäldern und das Martern des Körpers – dies alles ist nutzlos, wenn das Herz (die Motivation) nicht rein ist. Denn leicht verlieren sich die Sinne, wenn im freudvollen Schwelgen nicht das Reine gesucht wird. Ohne die Reinheit in den Dingen der Freude ist jede Enthaltsamkeit schwierig und kaum erreichbar.

Unter den sechs Sinnen, oh König, ist das unkontrolliert umherspringende Denken am gefährlichsten. Die hochbeseelten Menschen, welche keine Sünde in Worten, Taten, Gedanken und im Herzen begehen, sind wahrlich asketisch enthaltsam. Und nicht unbedingt die, welche ihren Körper mit Fasten und Buße martern. Wer für seine Mitmenschen keine freundlichen Gefühle hegt, kann nicht von Sünde frei sein, auch wenn sein Körper rein wäre. Ein hartes Herz ist der Feind jeglicher Askese. Doch Askese ist nicht einfach das Weglassen aller Vergnügungen in dieser Welt. Wer rein ist, sich mit Tugend schmückt und sein ganzes Leben Freundlichkeit übt, der ist ein Muni, auch wenn er ein häusliches Leben führt. Solch einer ist von allen Sünden frei. Fasten und Buße allein können keine Sünde vernichten, so sehr sie auch den Körper aus Fleisch und Blut schwächen oder austrocknen mögen. Wessen Herz nicht rein ist, der leidet nur Qualen, wenn er Buße tut, ohne ihre eigentliche Bedeutung zu kennen. Er wird dabei niemals von Sünden befreit. Das Feuer, welches er ehrt, verschlingt seine Sünden nicht. Nur durch Heiligkeit und Tugend kommen Menschen in gesegnete Bereiche, und dann werden auch Fasten und Gelübde wirksam. Das Leben von Früchten und Wurzeln, das Gelübde zu schweigen, das Leben von Luft allein, das Scheren des Kopfes, der Verzicht auf ein festes Heim, das Tragen verfilzter Locken, das Schlafen unterm Himmelszelt, tägliches Fasten, das Ehren des Feuers, das Eintauchen in Wasser und das Schlafen auf dem blanken Boden – dies allein kann nicht ein solches Resultat erzielen. Nur die Heiligen haben Erfolg, und mit ihrem Wissen und ihren Taten besiegen sie Krankheiten, Altersschwäche und Tod und erlangen einen hohen Status. Wie die vom Feuer verbrannten Samen nicht mehr keimen, so können auch die von der Erkenntnis verbrannten Schmerzen die Seele nicht mehr angreifen. Dieser träge Körper, der ohne Seele nur wie ein Klotz ist, ist so vergänglich wie der Schaum am Meeresufer. Wer aber die Sicht auf diese Seele, die in jedem Körper lebt, mit Hilfe von einem oder einem halben Vers (aus den Veden) erreicht, der hat alles erreicht und benötigt nicht mehr. Manche finden diese Erkenntnis der Einheit mit der Großen Seele bereits nach zwei Buchstaben, andere nach hunderttausend Zeilen. Doch dieses Wissen um die Einheit ist ein sicheres Zeichen für Erlösung. Die alten Weisen haben gesagt, daß weder diese Welt, noch die nächste, noch Glückseligkeit dem gehören können, der von Zweifeln geplagt ist. Solche ein Mensch erschreckt vor einem vedischen Ritual, als ob er einen Waldbrand sieht. Doch wer die wahre Bedeutung der Veden kennt, versteht auch ihren rechten Gebrauch. Gib trockene Dispute auf, nimm Zuflucht zu den Shrutis und Smritis (heilsamen Texten), und suche mit Vernunft die Erkenntnis des unvergänglich Einen, der ohne ein Zweites ist. Ohne Bedeutung allerdings, wird die Suche nach dieser Erkenntnis vergeblich. So halte dich an die Veden, denn sie sind die Höchste Seele, Sein Körper und die Wahrheit. Die Seele, die durch einen tierischen Organismus gebunden ist, kann Ihn nicht erkennen, in dem alle Veden verschmelzen. Denn nur eine klare, reine Vernunft kann die Höchste Seele erkennen. Die Anwesenheit der Götter, die Wirksamkeit von Taten und die Fähigkeit zu Taten von körperlichen Wesen ist in jedem Yuga zu sehen. Durch die Reinheit der Sinne sucht man nach Unabhängigkeit von ihnen und nach ihrer Auflösung. Deshalb ist die Zügelung der Sinne das wahre Fasten. Man kann durch (körperliches) Fasten in den Himmel kommen, man kann sich schöne Dinge gewinnen, indem man Wohltätigkeit übt, und man kann seine Sünden in Tirthas abwaschen. Doch vollkommene Befreiung kann nur durch Erkenntnis erreicht werden.

Über die Wohltätigkeit

Da sprach der höchst ruhmvolle Yudhishthira:
Oh Heiliger, ich möchte die Regeln für Wohltätigkeit von dir hören, welche zu Verdienst führt.

Markandeya sprach:
Nun großer König, oh Yudhishthira, diese Regeln zur rechten Wohltätigkeit, welche du von mir hören möchtest, halte ich in hohen Ehren. Vernimm also die Mysterien des Schenkens, wie sie in den Shrutis und Smritis ausgeführt werden. Wer das Sradda zur Konstellation Gajacchaya an einem Ort ausführt, der von den Blättern des Aswattha Baumes befächelt wird, erfreut sich an dessen Früchten für hunderttausend Kalpas. Wer einen fast Verhungerten speist oder ein wohltätiges Heim gründet, wo sich jemand um alle Ankömmlinge kümmert, wird mit dem Verdienst aller Opfer gekrönt. Wer ein Pferd an einer Tirtha weggibt, wo die Strömung an diesem Ort entgegengesetzt zur sonstigen Fließrichtung ist, der erntet unerschöpflichen Verdienst. Der Gast, der wegen Nahrung in dein Haus kommt, ist niemand anderer als Indra selbst. Wird er mit Essen versorgt, dann übergibt Indra dem Gastgeben unermeßlichen Verdienst. Wie Menschen in Booten das Meer überqueren, so wird der Geber von allen Sünden errettet. Was Brahmanen gegeben wird, bringt wie das Schenken von Quark unerschöpflichen Verdienst. Die Gabe an speziellen Monatshälften bringt zweimal soviel Verdienst und in besonderen Jahren hundertmal mehr Verdienst als sonst. Und die Gabe am letzten Tag des Jahres bringt unerschöpflichen Verdienst. Eine Gabe zur Sonnenwende ist äußerst verdienstvoll, auch wenn die Sonne den letzten Tag durch Waage, Widder, Zwillinge, Jungfrau und Fische geht oder während einer Mond- oder Sonnenfinsternis. Die Gelehrten sagen auch, daß Gaben während einer Jahreszeit zehnfachen Verdienst, zum Wechsel der Jahreszeit hundertfachen Verdienst und zu der Zeit, wenn Rahu sichtbar ist, tausendfachen Verdienst bringen. Geht die Sonne den letzten Tag durch Waage und Widder schenkt eine Gabe unvergänglichen Verdienst. Oh König, niemand kann sich an seinem Landbesitz erfreuen, solange er nicht Land verschenkt. Und niemand kann auf Wagen und Fuhrwerken fahren, wenn er sie nicht auch verschenkt. Tatsächlich ist es so, daß ein Mensch zur Wiedergeburt die Früchte erntet, die er im Sinne hatte, als er Brahmanen beschenkte. Gold kommt aus dem Feuer, die Erde von Vishnu und die Kühe von der Sonne. Wer also Gold, Land und Kühe verschenkt, gewinnt sich die Bereiche von Agni, Vishnu und der Sonne. Nichts ist so ewigwährend wie ein Geschenk. Wo gibt es in den drei Welten etwas Glücksverheißenderes? Deshalb sagen die Klugen, oh König, daß nichts höher und größer in den drei Welten ist, als eine Gabe.


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