Pushpak Mahabharata Buch 3Zurück WeiterNews

Kapitel 187 – Die Geschichte von Manu und der Sündflut

Als nächstes bat Yudhishthira den Brahmanen Markandeya:
Erzähle uns die Geschichte von Vaivaswata Manu.

Und Markandeya hub an:
Oh König und Bester unter den Männern, einst lebte ein mächtiger und großer Rishi namens Vaivaswata Manu. Er war der Sohn von Vivaswan und strahlte wie Brahma. Sowohl an Kraft, als auch an Macht, hohem Schicksal und religiöser Enthaltsamkeit übertraf er seinen Vater und Großvater bei weitem. Er stand mit erhobener Hand und nur auf einem Bein im Jujube Wald namens Visala und tat so strenge Buße. Für zehntausend Jahre verweilte er mit dem Kopf nach unten und ruhigem Auge. Eines Tages, er trug nasse Kleider und verfilzte Locken und übte Enthaltsamkeit am Ufer der Chirini, kam ein Fisch zu ihm und sprach ihn an:
Ehrbarer Herr, ich bin ein hilfloser, kleiner Fisch und fürchte mich vor den Großen. Bitte, du großer Anhänger, überdenke es, und es mag der Mühe wert sein, mich vor ihnen zu beschützen. Denn es ist gesetzter Brauch bei uns, daß die großen, starken Fische die kleinen jagen. So errette mich vor diesem Ozean des Grauens. Ich werde dir deine guten Dienste auch vergelten.

Nach diesen Worten überkam Vaivaswata Manu großes Mitgefühl. Mit eigener Hand hob er den mondgleich glitzernden Fisch aus dem Wasser und gab ihn in ein irdenes Wassergefäß. Dort fütterte er ihn und sorgte für ihn wie für ein Kind, so daß der Fisch schnell an Größe gewann. Nach einer Weile war er zu groß für das irdene Gefäß, und er sprach zu Manu:
Ehrenwerter Herr, suche eine andere, bessere Bleibe für mich.

So trug ihn Manu zu einer großen Wasserstelle und sorgte weiter für ihn. Viele lange Jahre wuchs der Fisch an diesen Ort und wurde auch hier zu groß, obwohl die Wasserstelle zwei Yojanas lang und ein Yojana breit war. Als er sich kaum noch bewegen konnte, sprach er zu Manu:
Oh frommer und verehrter Vater, wenn es dir beliebt, dann trage mich zur Ganga, der Lieblingsgefährtin des Ozeans, damit ich dort schwimmen kann. Durch deine Gunst wuchs ich zu dieser gewaltigen Größe heran, oh Sündenloser, und ich werde auch dein Bitten freudig erfüllen.

Der aufrichtige und genügsame Manu folgte der Bitte und trug den Fisch höchstselbst zum Fluß. Dort wuchs der Fisch noch eine Weile, und als er Manu eines Tages wiedersah, sprach er zu ihm:
Oh Herr, schon wieder kann ich mich kaum noch in der Ganga bewegen, denn mein Körper ist riesengroß geworden. Bitte, ehrenwerter Herr, trag mich schnell zum Meer.

Und Manu übergab den Fisch gern dem großen Ozean. Obwohl er so riesig war, konnte Manu ihn ohne Mühe tragen, ja selbst die Berührung und der Geruch des Fisches waren ihm angenehm. Als der Fisch ins Meer eingetaucht war, sprach er mit einem Lächeln zu Manu:
Oh Verehrter, du hast mich mit besonderer Sorgfalt beschützt. Nun hör mir zu, was du in nächster Zeit tun sollst. Oh glücklicher und ehrenwerter Herr, die Auflösung der belebten und unbelebten Welt steht bevor. Die Zeit ist reif, diese Welt zu säubern. Und ich erkläre dir nun, was gut für dich ist. Der Untergang der Schöpfung ist gekommen und betrifft alle Wesen, mögen sie die Macht zur Fortbewegung haben oder auch nicht. Baue du eine starke und massive Arche mit einem langen Seil. Besteige sie mit den sieben Rishis, oh großer Muni, und nimm all die verschiedenen Samen mit, welche einst die zweifachgeborenen Brahmanen aufgezählt haben. Bewahre sie sorgfältig und getrennt voneinander in deinem Schiff. Warte dann auf mich, geliebter Muni. Ich werde dir als gehörntes Wesen erscheinen. Daran wirst du mich erkennen. Ich nehme nun Abschied, oh Asket. Handle du nach meinen Instruktionen, denn ohne meine Hilfe wirst du dich vor der gräßlichen Flut nicht retten können.

Und Manu antwortete ihm:
Ich zweifle nicht an deinen Worten, du Großer, und werde alles tun, was du gesagt hast.

So verabredeten sie sich und gingen ihrer Wege. Manu sammelte alle Samen ein, wie es ihm der Fisch geheißen hatte, und setzte an seinem hervorragenden Boot alle Segel, um die wogende See zu durchkreuzen. Dann dachte er an den Fisch, oh Herr der Erde, und im selben Moment erschien dieser mit Hörnern auf den Kopf, denn er wußte um Manus Gedanken. Manu erkannte den gehörnten Fisch, der wie ein Berg aus den tosenden Wassern aufragte, und ließ das Seil in einer Schlinge herab und vertäute es am Kopf des Fisches, welcher dann mit großer Kraft das Schiff durch die salzige See zog. Sicher führte er das Schiff durch die brüllenden Wogen, welches vom sturmgepeitschten Ozean hin- und hergeschleudert wurde wie eine betrunkene Dirne. Weder Land noch die vier Himmelsrichtungen konnten ausgemacht werden, denn überall war Wasser. Selbst Firmament und Himmel waren mit Wasser bedeckt. In dieser überfluteten Welt waren nur noch Manu, die sieben Rishis und der Fisch zu sehen. Unermüdlich zog der Fisch das Boot durch die rauhe See für viele, lange Jahre. Dann zog er das Boot zum höchsten Gipfel des Himavat, oh Juwel des Bharata Geschlechts, und gebot den Insassen, es hier fest zu vertäuen. Was jene sofort taten. Seit dieser Zeit, oh Sohn der Kunti, wird dieser Gipfel Naubandhana (Hafen) genannt.

Und der Fisch sprach zu den Rishis:
Ich bin Brahma, der Herr der Schöpfung. Es gibt nichts Größeres als mich. Ich nahm die Gestalt eines Fisches an, um euch vor der Katastrophe zu bewahren. Manu wird alle Wesen wieder erschaffen, Götter, Asuras, Menschen und all die Geschöpfe, welche die Kraft der Bewegung haben oder auch nicht. Er wird durch strenge Buße die Macht dazu erlangen. Und durch meinen Segen wird die Illusion keine Mach über ihn haben.

Im selben Augenblick verschwand der Fisch. Und Vaivaswata Manu war willens, die Welt neu zu erschaffen. Damit ihn während dieser Arbeit keine Täuschung überkam, übte er schwere Askese und vollbrachte mit diesem Verdienst die Schöpfung in genauer und angemessener Weise. Diese Geschichte wird als die Legende vom Fisch gefeiert und vernichtet alle Sünden. Der Mensch, welcher der alten Saga von Manu täglich lauscht, erlangt Glück, seine Wünsche werden erfüllt, und er geht in den Himmel ein.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter